Die Laune der Verbraucher kann in den USA mehr als in vielen anderen Staaten über die Entwicklung der Konjunktur entscheiden - immerhin machen 70 Prozent der Konsumausgaben der US-Bürger das Bruttoinlandsprodukt aus. So warnt der Direktor für ökonomische Indikatoren beim Forschungsinstitut Conference Board, Lynn Franco, denn auch: "Wenn der Trend weiter so verläuft, dann könnten die Ausgaben kurzfristig zurückgehen." Und Amerikaner, die ihre Kreditkarte aus Sorgen um die Zukunft stecken und die Dollarscheine im Sparschwein lassen, das kann die US-Wirtschaft gerade gar nicht gebrauchen.
Ratlosigkeit der Fed steigert die Unsicherheit
Die trübe Stimmung bei den Verbrauchern kommt nach Einschätzung vieler Experten vor allem aus der Unsicherheit darüber, wie sich die wirtschaftliche Lage entwicklen wird. Selbst die größten Fachleute scheinen da so unsicher zu sein wie selten zuvor. Die US-Notenbank Fed etwa kann sich einfach nicht entscheiden, ob sie die Wirtschaft weiter ankurbeln soll oder ob sie dann vielleicht am Ende zu viel Geld ins System pumpt. "Wir sind - falls notwendig - bereit zu handeln und denken auch über erneute Anleihenkäufe nach", sagte der oberste Zentralbanker Ben Bernanke vergangene Woche. Nicht nur die Märkte hätten klare Aussagen über diese "Notwendigkeit" erwartet.
Die meisten Volkswirte in den USA trauen sich keine verlässlichen Prognosen zu. Es gebe momentan zwei ganz große Unbekannte in der Konjunkturgleichung, heißt es: die Euro-Krise sowie den erbitterten innenpolitischen Kampf um Staatsschulden und Steuern.
Die Lage in Europa ist für Washington daher längst zur Chefsache geworden. Unermüdlich fordert US-Präsident Barack Obama seine Kollegen auf der anderen Seite des Atlantiks zum Handeln auf. Sinke die Nachfrage für Produkte "Made in America" etwa in Paris oder Madrid, dann litten darunter die Hersteller in Industriestädten wie Pittsburgh und Milwaukee, meint er: "Je schneller die Europäer agieren und je entschlossener und konkreter ihre Handlungen sind, desto schneller gewinnen die Menschen und Märkte Vertrauen zurück und desto geringer werden die Kosten für die Aufräumarbeiten später sein."
Mit Vollgas dem finanziellen Abgrund entgegen
Doch Obama wird in den verbleibenden Monaten seiner ersten Amtszeit selbst noch eine Menge Arbeit haben, um die wirtschaftliche Zuversicht seiner Mitbürger zu verbessern. Verantwortliche und Investoren bibbern regelrecht vor der "fiscal cliff", dem finanziellen Abgrund, auf den die USA ihrer Meinung nach gerade ungebremst zusteuern.
Denn nicht nur bedrohen zum Jahresende auslaufende Steuererleichterungen die Geldbeutel der Amerikaner. Auch treten dann automatische Kürzungen des Staatsbudgets von 1,2 Billionen Dollar im Zeitraum von zehn Jahren in Kraft, die der Konjunktur sehr viel Geld und damit Erholungskraft entziehen könnten. Zudem muss die US-Schuldengrenze von derzeit 16,4 Billionen Dollar voraussichtlich in diesem Jahr noch einmal erhöht werden. Ein erneuter politischer Krieg darum - wie im vergangenen Jahr - dürfte das Sicherheitsgefühl der Verbraucher nicht gerade verbessern.
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