Am ersten Prozesstag rannte der Angeklagte weg, nun konnte der 22-jährige Türke in Graz zu vier Monaten bedingter Haft verurteilt werden. Er hatte seiner Schwester gewaltsam ihr Handy entrissen, um ihr Liebesleben zu kontrollieren. Das Mädchen war im Spital.
„Sie sind beim ersten Mal weggerannt, so etwas mag ich gar nicht“, meinte Richterin Julia Noack zum Angeklagten. Diesmal blieb er zumindest sitzen, die Tateinsicht kam eher tröpfchenweise. Angeklagt waren Nötigung und Körperverletzung, weil er seine Schwester geschlagen und getreten hatte, weil sie ihm ihr Handy nicht geben wollte. „Ich wollte nur etwas lesen“, erklärte er etwas vage.
„Reden wir Klartext, Sie wollten kontrollieren, ob sie mit einem Mann schreibt“, hielt ihm die Richterin vor. Der Türke stimmte zögernd zu. „Sind Sie ihr Aufpasser?“, hakte die Vorsitzende nach. „Nein, nein, ich wollte nur schauen, ob alles in Ordnung ist“, antwortete er.
So funktioniert das in Österreich nicht.
Richterin Julia Noack
Von Faustschlägen und Tritten wollte der Beschuldigte nichts wissen: „Ich habe sie nur festgehalten“, erklärte er. Das Mädchen hatte aber Verletzungen am Nasenbein und am Handgelenk erlitten. „Ist halt passiert“, war sein Kommentar.
„So geht das nicht, so funktioniert das in Österreich nicht. Sie haben nicht das Recht, das Handy Ihrer Schwester zu kontrollieren, nur weil sie eine Frau ist“, wetterte die Richterin und betonte: „Ihre Schwester kann schreiben, mit wem sie will. Einen jüngeren Bruder hätten Sie auch nicht kontrolliert.“
„Rote Karte“
Der 22-Jährige sah dann doch alles ein: „Es tut mir sehr leid, auch, dass ich Ihre Zeit verschwendet habe“, entschuldigte er sich auch noch für sein Verschwinden bei der ersten Verhandlung. Die Richterin ließ noch einmal Milde walten und verhängte trotz Vorstrafen eine bedingte Strafe von vier Monaten. „Für so ein Verhalten gibt es die rote Karte“, redete sie dem Angeklagten noch einmal ins Gewissen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.