Opfer liegen gelassen

Erneut wilder Unfall auf Innviertler Todesstrecke

Oberösterreich
07.02.2024 18:17

Ein Unfall auf der „berüchtigten“ B 148 im Innviertel forderte einen schwerstverletzten Fußgänger. Besonders tragisch: Das Opfer wurde einfach liegengelassen, der Unfalllenker ist weiter flüchtig. In einem emotionalen Facebook-Posting ärgert sich der Ersthelfer über Autofahrer, die einfach weiterfuhren.

Einfach niedergefahren und liegengelassen hat ein noch Unbekannter in der Nacht auf Dienstag einen 35-jährigen Fußgänger in Kirchdorf am Inn. Besonders tragisch: Nicht nur der Unfalllenker hatte sich nicht um den Schwerstverletzten gekümmert.

Niemand half
Obwohl auf der B 148 noch viel los war, blieb auch keiner der nachkommenden Autofahrer stehen. „Ich war gegen 0.35 Uhr auf dem Nachhauseweg, schon sechs Kilometer vor der Unfallstelle haben etliche Autofahrer aufgeblendet, da wusste ich aber noch nicht, warum“, erzählt Martin Seidl aus Moosbach. An der Unfallstelle wurde er von einem Slowenen aufgehalten, der als einziger stehen geblieben war und dem Verletzten half.

Ersthelfer begaben sich selbst in Gefahr
„Das Opfer ist auf der Straße gekniet, ein Fuß war schlimm zugerichtet, ist zur Seite gestanden. Er hatte mehrere offene Brüche“, schildert der Ersthelfer die tragischen Momente. „Ich bin zu ihm hin, habe seinen Kopf auf meine Füße gelegt. Er hat von seinem Leben erzählt.“ Während er den Verletzten zu beruhigen versuchte, „fuhren rechts und links an uns Autos vorbei. Das war gefährlich. Keine Sau ist stehen geblieben“, macht Seidl seinem Ärger in einer Videobotschaft auf sozialen Medien Luft.

Verletzter wollte weitergehen
Bei dem Unfallopfer soll es sich um einen Familienvater aus Deutschland handeln, der im Bezirk Braunau lebt. Er dürfte einen großen Schock erlitten haben, denn „er meinte, er steht auf und geht weiter“, so Seidl. Bisher verlief die Suche nach dem Unfalllenker erfolglos, auch auf den Zeugenaufruf der Polizei soll sich noch niemand gemeldet haben.

„Berüchtigte“ Strecke
Das aktuelle Unglück reiht sich in eine lange Liste an Zwischenfällen auf der B 148 im Innviertel ein. „Allein ich kenne drei Leute, die auf der Strecke Angehörige bei tödlichen Verkehrsunfällen verloren haben“, erzählt Seidl. Der Verein „Lebensraum B 148“ kämpft um Geschwindigkeitsbegrenzungen und Überholverbote, um die „Todesstrecke“ zu entschärfen.

Viele Unfälle
Eine betroffene Autofahrerin schreibt auf Facebook: „Letztes Jahr hatte ich nicht nur einmal Glück. Nur durch Ausweichen konnte ich einen Unfall verhindern. Ich musste zitternd und mit sehr weichen Knien weiterfahren und mich auf den starken Verkehr auf der B 148 konzentrieren.“ Zuletzt krachten auf der Strecke am 18. Jänner ein Pkw und ein Lkw zusammen, eine Frau wurde verletzt. Der letzte tödliche Unfall passierte zu Pfingsten 2023, ein 49-jähriger Ungar verlor bei einem Frontalzusammenstoß sein Leben.

Kommentar
Zivilcourage vor den Vorhang holen

Fahrerflucht ist kein Kavaliersdelikt! Wer einen Verletzten nach einem Unfall einfach liegenlässt, dem drohen bis zu drei Jahre Haft. Auch unterlassene Hilfeleistung ist strafbar, was aber oft an der Ausforschung der Täter scheitert.

(Bild: Markus Wenzel, adobe.stock.com, Krone KREATIV)

Umso wichtiger ist es, couragierte Mitmenschen wie Martin Seidl vor den Vorhang zu holen. Er wollte nachts um 0.30 Uhr vermutlich nur schnell nach Hause und ins Bett. Trotzdem hatte er angehalten, die Rettungskette in Gang gesetzt und so dem Verletzten möglicherweise das Leben gerettet. Ein Verhalten, das sich auch jene wünschen würden, die einfach weitergefahren sind.

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