Leonard Bernsteins „West Side Story“ neu an der Wiener Volksoper: Fantastisch getanzt, gut gespielt, aber akustisch versemmelt
Was täte die Musicalwelt ohne Verstärkung? Wohl so gut singen, wie Julia Migenes und Adolf Dallapozza 1968 in der ersten Volksopern- „West Side Story“.
Jetzt sind die Jets und die Sharks zurück, stellen sich schon zur Ouvertüre auf. Man giftet sich via Kopfmikros laut an, Geplapper legt sich nervend übers Orchester. Dabei peitscht Dirigent Ben Glassberg die Sache ohnehin heftigst durch. Das Orchester wird (verstärkt?) zur Krawallmaschine. Wie fein Bernstein orchestrieren konnte, muss man wohl bei „Candide“ (bis 3. 2.) im Theater an der Wien/MQ nachhören. Und die Tontechnik funkt weiter dazwischen: Dialoge sind schlecht verständlich, Personen kaum zu orten, Gesangsstimmen verlieren sich im halligen Irgendwo.
Anton Zetterholm gibt den Tony ganz muscialgeeicht nicht nur sauber, sondern rein. Der soubrettig flimmernde Sopran von Jaye Simmons harmoniert zwar gar nicht damit, aber ihre entzückende Maria berührt. Mit schöner Präsenz fällt auch Myrthes Monteiro als Anita auf. Lotte de Beers Regie verbindet auf dunkler, minimalistischer Bühne mit braven bis packenden Spielmomenten die vielen Tanzszenen. Choreograf Bryan Arias und dem phänomenal tanzenden Ensemble gelingt dabei Großartiges. Hier findet Bernsteins genialer Wurf auf die richtige West Side.
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.