Kammerspiele Linz

Stelzhamer-Stück: Dichter und radikaler Antisemit

Oberösterreich
26.01.2024 17:00

Der Schlierbacher Autor Thomas Arzt hat als Kind gerne die Landeshymne gesungen. Jetzt hat sich sein Blick auf den Urheber, den Mundartdichter Franz Stelzhamer verändert. Das erzählt er in seinem neuesten Stück „Das unschuldige Werk“, das am Samstag in den Kammerspielen Linz die Uraufführung hat. 

„Meist beginnt es mit einer inneren Unruhe, die mich nicht schlafen lässt – mit Fragen über politische Umstände und soziale Ungerechtigkeiten“, sagt Thomas Arzt darüber, was ihn antreibt, ein Stück zu schreiben.

Was den Dramatiker aus Schlierbach aber an Franz Stelzhamer interessiert, ist diffiziler. Der bis heute verklärte Heimatdichter, auch Urheber der oberösterreichischen Landeshymne, muss als Mensch zwar ein Charmeur gewesen sein, aber politisch war er ein radikaler Antisemit, was er auch in Essays verschriftlichte. Das ist mittlerweile weithin bekannt und führte bereits zu Diskussionen über die Landeshymne, die aber ins Leere liefen.

Ist Stelzhamer ein Opfer seiner Zeit gewesen? Im Stück „Das unschuldige Werk“, das am Samstag in den Kammerspielen uraufgeführt wird, will Arzt die These ausloten.

„Krone“: Haben Sie noch eine Erinnerung daran, wo Sie das erste Mal mit Franz Stelzhamer in Berührung kamen?
Thomas Arzt: Ich bin in Oberösterreich aufgewachsen und habe als Kind die Landeshymne gesungen. Vor allem die Zeile „waun mi g’netzt hot dei Reg’n“ mochte ich sehr.

Nun aber schreiben Sie ein Theaterstück über Stelzhamer. Haben Sie heute ein anderes Bild von ihm?
Mein Stück ist eine Künstlerbiografie aus der Sicht von sechs Frauen und eines Kindes – Stelzhamers erste Tochter, die früh verstarb. Wir sehen, wie Franz in das Leben dieser Frauen „hineinpurzelt“ und wie der einsetzende Erfolg des Autors einerseits das Versprechen einer besseren Zukunft ist, anderseits Auslöser von Frust, sozialer Not, Krankheit und Alkoholismus. Und wir sehen, wie Franz beginnt, sich nach dem „politischen Wind“ zu drehen – einem aufkommenden radikalen Deutschpatriotismus. An dieser Stelle schließt sich eine Brücke zum Heute.

Welche Seiten des mächtigen Heimatdichters werden wird durch Ihre Augen kennenlernen?
Ich zeige sein Ringen um Liebe, die Suche nach Anerkennung. Damit einher gehen Enttäuschung, Wut und Gewalt. Über Stelzhamer wird berichtet, dass er ein großer Entertainer und Charmeur war – er hatte immer „einen lustigen Spruch“ parat. Ich zeige aber auch einen Franz, der verletzen kann und Grenzen überschreitet. Der Theaterabend wird sowohl humorvoll als auch traurig.

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