Di, 14. August 2018

Pläne präsentiert

18.05.2012 17:15

"Costa"-Bergung als Monster-Projekt in vier Phasen

Es wird als "zyklopenhaftes Projekt" in noch nie da gewesener Dimension und Komplexität beschrieben: Mit einem Plan in vier Phasen soll das im Jänner havarierte Kreuzfahrtschiff "Costa Concordia" nun geborgen werden. Die Einzelheiten zur Bergung des Wracks sind am Freitag bei einer Pressekonferenz in Rom von der Reederei Costa Crociere, Betreiber des havarierten Luxusliners, und der US-Firma Titan Salvage vorgestellt worden.

"Wir starten mit einer, was die technische Komplexität betrifft, bisher noch nie unternommenen Bergungsaktion. Bisher ist noch nie ein Schiff dieser Dimension geborgen worden. Wir sind zuversichtlich, dass wir unseren Plan unter den besten Sicherheitsbedingungen umsetzen und die Umwelt nicht belasten werden", erklärte Gianni Onorato, Generaldirektor von Costa Crociere. "Trotz der mit einem solchen Unternehmen verbundenen Risiken sind wir sicher, dass wir den richtigen Beschluss gefasst haben."

Zwei Kräne sollen Wrack wieder aufrichten
In der ersten Phase soll eine Unterwasserplattform errichtet werden, die das Schiff stabilisiert. Auf der aus dem Wasser ragenden Seite des Schiffes sollen zwei riesige Wasserbehälter angebracht werden. Mit Hilfe von zwei an der Plattform angebrachten Kränen und den beiden Wasserbehältern soll die "Costa Concordia" in eine aufrechte Lage gehievt werden. Danach wird das Schiff in einen italienischen Hafen abtransportiert, der noch bestimmt werden soll. Anschließend wird der Meeresboden gesäubert.

Der ambitionierte Plan stammt vom US-Konzern Titan Salvage, der von Costa Crociere beauftragt wurde, das vor der Insel Giglio gekenterte Kreuzfahrtschiff zu bergen. Die italienische Spezialfirma Micoperi soll bei den Arbeiten helfen. Das Unternehmen wird ihr Know-how beim Bau von Ölplattformen zur Verfügung stellen, um die Infrastrukturen für die Bergung des Schiffes zu errichten. "Die Reederei habe sich für Titans Plan entschieden, weil er alle Standards erfüllte, unter anderem die Bergung des gesamten Wracks und die geringste Umweltbelastung", betonte Onorato.

Der Plan sieht auch Initiativen zum Schutz des Tourismus auf der Insel Giglio vor. Die Anwesenheit des Personals, das sich an der Bergung des Schiffes beteiligt, soll die Insel nicht belasten. Die operative Basis von Titan wird demnach nicht auf Giglio, sondern in der toskanischen Hafenstadt Piombino liegen. Hier werden auch die Materialien für die Bergung angesammelt.

Felsen gerammt und gekentert
Bei der Havarie des 290 Meter langen Kreuzfahrtschiffes am 13. Jänner kamen 30 Menschen ums Leben. Zwei Menschen gelten immer noch als vermisst. Die "Costa Concordia" war zu nahe an die Insel herangefahren, hatte einen Felsen gestreift und war mit mehr als 4.200 Menschen an Bord, darunter 77 Österreicher, gekentert. Kapitän Francesco Schettino steht seither unter Hausarrest. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem mehrfache fahrlässige Tötung, Havarie und Verlassen seines Schiffes während der nächtlichen Evakuierung vor.

Costa Crociere teilte am Freitag bei der Präsentation des Bergungsplans auch mit, dass die Gesellschaft eine Einigung auf Entschädigung mit 94 Prozent der überlebenden Passagiere erzielt habe. In sechs Prozent der Fälle sei es zu einem rechtlichen Streit um die Entschädigung gekommen. Die Reederei hofft jedoch, auch in diesen Fällen bald eine Einigung zu finden.

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