„Bubi“ vor Gericht

„Bis zum 14. Geburtstag war mir alles egal“

Oberösterreich
22.12.2023 06:00

14-Jähriger soll mehr als 200 Delikte am Kerbholz haben. Nun stand er erstmals vor Gericht und bekam eine verhältnismäßig hohe, nicht rechtskräftigte, Haftstrafe - sie ist auch Ausdruck der schlechten Zukunftsprognose. Und der Bursch sagte offen, dass er wusste, dass ihm bis zum 14. Geburtstag nichts passieren kann.

Er sorgte mit mehr als 200 Straftaten vor seinem 14. Geburtstag im Wochentakt für Schlagzeilen. Jetzt ist der blutjunge Serien-Kriminelle strafmündig und stand am Donnerstag mit drei Komplizen wegen schweren Raubes und Einbruchs vor Gericht.

Mit neun Jahren kam der Teenager-Angeklagte zum ersten Mal für ein Jahr in eine betreute Wohneinrichtung, dann zurück zu den Eltern. Ab dem zwölften Lebensjahr lebte er in Wohneinrichtungen. Dort kann ihm keiner Paroli bieten: Bis zu seinem 14. Geburtstag am 17. September beging der Bursch eine unfassbar lange Liste an Straftaten – von Einbrüchen und Autodiebstählen bis hin zu massiven Gewaltdelikten.

Kaum 14 geworden, soll der Nachwuchs-Gangster mit einem (wegen Körperverletzung und räuberischen Diebstahls) zweifach vorbestraften 19-Jährigen in den Morgenstunden des 19. September einen mutmaßlichen irakischen Dealer (31) in dessen Wohnung in Linz überfallen haben. Der Bursch gestand, dem Mann mit der Faust ins Gesicht geschlagen und ihn getreten zu haben. Als sich dieser wehrte, verpasste ihm der Komplize mit einem Tapetenmesser einen Schnitt in den Oberschenkel. Das Opfer floh blutüberströmt.

Überfall war Racheaktion
Der 19-Jährige war übrigens erst zwölf Tage vor dem Raubüberfall aus der Haft entlassen worden. Der Iraker ist auch kein großer Sympathieträger. Er soll vor dem Raubüberfall eine junge Kundin am Hals abgeleckt haben. Deren bereits dreifach vorbestrafte Freundin (21) soll aus Rache zu dem Überfall angestiftet haben. Der „Problembubi“, sein drogensüchtiger 19-jähriger Komplize und die 21-Jährige saßen in U-Haft, ein 15-jähriger Welser, der Schmiere stand, als einziger nicht. Alle drei waren bei der Tat eingekokst.

Beim Prozess im großen Schwurgerichtssaal, dem 61er im Linzer Landesgericht, waren zwei Sitzreihen mit jungen „Fans“ des 14-Jährigen besetzt. Die Eltern waren anwesend, ebenso insgesamt sieben Sozialarbeiter und BetreuerInnen.

Bei seiner Einvernahme zeigte sich der 14-Jährige reumütig. „Ich hab gewusst, ich darf anstellen, was ich will, solange ich unter 14 bin. Bis dahin war mir alles scheißegal. Aber jetzt in U-Haft hab’ ich Zeit zum Nachdenken gehabt“. Er will eine Kfz-Lehre machen.

Bis zu fünf Jahre Haft
Die – nicht rechtskräftigen – Urteile: Der 14-Jährige bekam zwei Jahre scharf, der 19-Jährige fünf Jahre und zwei Monate, der bisher unbescholtene 15-Jährige sechs Monate bedingt, die 21-Jährige fasste drei Jahre unbedingt aus.

Lesen Sie auch den Kommentar von „Krone“-Redakteur Christoph Gantner zu diesem Thema

(Bild: Krone KREATIV, Alexander Schwarzl, Markus Wenzel)

Deprimierende Realität vor Gericht
So ein Tag im Gericht ist nicht nur ein Marathon fürs Sitzfleisch, sondern auch ein oft unangenehm harter Bodenkontakt mit der gesellschaftlichen Realität. 
So war es auch bei dem Prozess um einen 14-jährigen Serienkriminellen, der sich seit seinem neunten Lebensjahr in sozialer Dauerbetreuung befindet. Mit bekanntem Resultat: Gebracht hat’s gar nichts. 
Für solche „Systemsprenger“ gibt es keine einfache Lösung. Sie kennen keine Grenzen und finden die gesuchte Anerkennung höchstens im Drogen- und Gaunermilieu. Ob aus dem Burschen noch was wird?

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