Blinde berichten

Das Weihnachtsfest riechen und hören und fühlen

Kärnten
21.12.2023 18:45
Porträt von Kärntner Krone
Von Kärntner Krone

Die Weihnachtszeit macht uns Freude und stresst und gleichermaßen, ganz egal ob man sie nun sehen kann oder nicht. Blinde Mitmenschen erzählen, wie sie diese Zeit wahrnehmen.

Über einen Weihnachtsmarkt zu bummeln ist ein Bombardement an Eindrücken. Wenn die optische Reizüberflutung wegfällt, schlägt die akustische und die geruchliche umso härter zu. Dennoch sind auch viele Blinde überzeugte Weihnachtsmarktbesucher. Stephan dreht gern dort mit der Familie seine Runden, um zu sehen, dass Weihnachten ist, wie er es ausdrückt.

Der 16-Jährige, der im Chor auch auf Adventfeiern singt, kann durchaus Gerüche zuordnen, weiß aus welcher Richtung Seife, Weihrauch, Süßkram oder Bratwurst daherkommen, kommt so durchaus in Weihnachtsstimmung. „Wir haben die gleiche Gefühlswahrnehmung nur eben über andere Kanäle“ erklärt Heinz Pfeifer, Obmann des Kärntner Blinden- und Sehbehindertenverbandes. Er gehört selbst zu den rund 6000 Menschen in Kärnten, die auf Grund der Stärke ihrer Sehbehinderung als blind bezeichnet werden.


Im Haus des Verbandes am KABEG-Gelände in dem es auch 19 Wohneinheiten gibt, findet am Abend des 24. Dezember eine Weihnachtsfeier statt. Mit selbst geschmücktem Baum, Festschmaus, und vor allem mit echter Weihnachtsmusik.

Falsche Weihnachtslieder nerven
Die Dauerbeschallung mit allem ist für Blinde noch etwas schwerer auszuhalten. „Wir hören wohl auch bewusster hin, was gespielt wird, und ich ärgere mich, was alles als Weihnachtsmusik daherkommt, obwohl es überhaupt kein Weihnachtslied ist“, gesteht Pfeifer. Der Lärm und die vielen Gerüche können auch die Orientierung kosten, „aber das Unangenehmste ist immer noch ein voll besetzter Bus“, verrät der 55-Jährige.

Zitat Icon

Weihnachtsglück hängt nicht vom Sehen oder dem Nicht-Sehen ab, sondern von einem gesunden sozialen Umfeld!

Heinz Pfeifer, Obmann des Kärntner Blinden- und Sehbehindertenverbandes

Weihnachtseinkäufe im allgemeinen Gewusel sind eine eigene Herausforderung. „Man spürt die Unruhe, das überträgt sich“, so Pfeifer. „Und man wird auch schwerer wahrgenommen, oder findet jemanden, der Zeit hat, einem etwas zum Angreifen in die Hand zu geben“, ergänzt Stephan. Auch andere Kunden werden schneller ungehalten. „Unter Druck wird das Verständnis für Beeinträchtigte wohl etwas geringer.“ Geschenke gibt es trotzdem, und die wohl größte Freude für Sehende und Sehbeeinträchtigte sind Zeitgeschenke für gemeinsame Unternehmungen.

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