„Lassen Sie mich bitte zu Ende reden“, „Es werden nur die schlechten Dinge aufgeschrieben“ - im Gerichtssaal am Landesgericht Linz zog ein wegen Drogenhandels angeklagter gebürtiger Bosnier ordentlich vom Leder und ließ kein gutes Haar an den Ermittlern. Jetzt hat er eine weitere Anklage am Hals und bei einem Schuldspruch wird´s nicht mehr mit einem „Du du, das tut man aber nicht“ getan sein.
Nach der Scheidung wurde er zum „Kiffer“, beim Feiern der Geburt seiner Tochter begann er mit dem „Koksen“, ihren zweiten Geburtstag feierte ein gebürtiger Bosnier nun in Linz in Haft. Denn er soll als Subdealer einer großen Drogenbande mit bis zu 18 Kilo Cannabis und 110 Gramm Kokain gedealt haben. Strafrahmen: ein bis 15 Jahre Haft. Doch der bisher unbescholtene 49-Jährige wollte vor dem Schöffensenat nichts mehr von den großen Mengen wissen, stellte auch die „acht bis neun Kilo“, die er bei einer U-Haft-Prüfung angab, infrage. Er habe es zwar gesagt, aber das war unrichtig. Der Staatsanwalt wollte auch nicht um jedes Kilo feilschen, weil es für das Strafausmaß ohnehin unbedeutend wäre.
Weiterer Anklagepunkt
Lautstark und gestikulierend warf er den Polizisten vor „nur zu schreiben, was ihnen passt“, dass er die Protokolle vor der Unterschrift nie gelesen habe, weil er die Brille erst verspätet bekam und 62 Stunden ohne Essen und Trinken ausharren musste – und dann wurde um jedes Gramm Drogen diskutiert.
Während der Staatsanwalt die Anklage um den Punkt „Verleumdung“ ausdehnte, weinten im Publikum die Lebensgefährtin und die bereits erwachsenen Töchter, als sie erfuhren, dass der Papa knapp 30.000 € für Drogen verprasst hatte. Der Prozess wurde - statt zu Mittag mit einem Urteil zu enden - vertagt, ein halbes Dutzend Zeugen geladen, darunter die Polizisten, die falsch protokolliert haben sollen und Abnehmer, um die wahre Menge der Drogen annähernd zu ermitteln.
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