Ein langer Krieg, arrogante Götter und zwei junge Menschen, die sich verfeindet gegenüberstehen. Daraus entspinnt sich das großartig gespielte Kinder- und Jugendstück „Troja! Blinde Passagiere im Trojanischen Pferd“ , das Nele Neitzke temporeich und einfühlsam für die Studiobühne inszenierte.
In Henner Kallmeyers Stück „Troja! Blinde Passagiere im Trojanischen Pferd“ treffen sich zwei junge Menschen, die bisher nichts anderes als Krieg kennengelernt haben.
„Endlich Frieden“, denkt sich der Grieche Spourgitis. „Endlich naht der Sieg“, denkt dagegen die mit einem Schwert bewaffnete Briseis, eine Trojanerin. Die beiden stehen im oder vor dem Trojanischen Pferd. Sie müssen Feinde sein, denn ihre Völker kämpfen gegeneinander. Also ist die erste Begegnung auch recht ruppig. Noch dazu ist der junge Mann feige und die junge Frau recht forsch. Doch statt zu kämpfen, beginnen die beiden dann doch miteinander zu reden.
Unterschiedliche Blicke auf die Mythen und Ereignisse
Dabei entdecken sie, dass der andere gar nicht so komisch ist. Sie merken, dass es von den Erzählungen ihrer Völker immer mindestens zwei unterschiedliche Varianten gibt. Aus lauter Feindschaft und Vorurteilen haben sie sich bisher nicht kennengelernt, was eigentlich schade ist. Und dann mischt sich auch noch der göttliche Hermes ein, der eine ganz eigene Sicht der Dinge hat.
Nele Neitzke gelingt eine kurzweilige und spannende Inszenierung dieses Stücks für ein Publikum ab 10 Jahren. Es bietet nicht nur einen leichtfüßigen Einstieg in die griechische Mythologie, sondern behandelt auch Themen, die heute hochaktuell sind. Spielerisch, aber nie kindisch, werden Feindschaft und Krieg aus der Perspektive junger Menschen beleuchtet. Die Dialoge sind klug, die Geschichte nähert sich dabei Verständigung, Freundschaft und Friedensbereitschaft an, ohne kitschig oder anbiedernd zu wirken.
Mit Alexandra Diana Nedel (Briseis), Vinzent Gebesmair (Spourgitis) und Levi R. Kuhr (Hermes) hat Nele Neitzke ein spielfreudiges, in jeder Sekunde überzeugendes und gut aufeinander abgestimmtes Ensemble an der Hand. Wunderbar ist auch das Bühnenbild von Mona Hapke, das den Bauch eines hölzernen Pferdes andeutet. Heftiger Beifall! Sehr empfehlenswert!
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