„Sch***e“ loswerden

Enthüllt: Prigoschin hatte vor Aufstand Großes vor

Ausland
22.11.2023 13:04

Frisch aufgetauchte Informationen gewähren neue Einblicke in den Putschversuch des Ex-Chefs der berüchtigten russischen Wagner-Söldnertruppe, Jewgeni Prigoschin. Einen Tag vor dem Eklat soll dieser nämlich versucht haben, eine weniger skandalträchtige Lösung für die brennenden Probleme an der Front zu finden.

„Stinkende Kreaturen“ war wohl noch der harmlosere Ausdruck dafür, wie „Putins Koch“ den Kreml aufgrund der desaströsen Lage an der Front in der Ukraine schimpfte. Änderungen gab es nach den mit Kraftausdrücken durchzogenen Wutreden keine - außer, dass es sich Prigoschin mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin ordentlich verscherzt hatte.

Selbst in Büros, wo die Türen für ihn immer offen gewesen seien, sei ihm der Zutritt verweigert worden, berichtet die englischsprachige Internetzeitung „The Moscow Times“ unter Berufung auf anonyme Quellen in der Staatsduma, die Spitze der Partei „Gerechtes Russland“ sowie einen Bekannten des im August bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommenen Militärs.

Suche nach Gespräch mit Kreml-Herrn
Nachdem sein rebellisches Auftreten nicht von Erfolg gekrönt war, soll Prigoschin bemüht gewesen sein, mit dem Kreml-Chef wieder auf einen grünen Zweig zu kommen. Die Lösung sollte eine Rede bei einem Runden Tisch in der Staatsduma sein, organisiert von der Partei „Gerechtes Russland“, die zu dieser Zeit große Sympathien für die Wagner-Söldner hegte. 

Der Gipfel soll am Tag vor dem Putschversuch über die Bühne gegangen sein. Im Rahmen der Veranstaltung hätte Prigoschin die Möglichkeit bekommen sollen, alle Dinge, die im Ukraine-Krieg schiefliefen, anzusprechen. Auch hätte er „ehrlich aufzeigen“ sollen, wie viele Opfer es unter den eigenen Kämpfern in Wirklichkeit gebe - also „die ganze Sch***e“, schilderte Prigoschins Bekannter.

Geplanter Schock-Skandal
„Prigoschin brauchte eine angesehene, offizielle Plattform mit einem Wappen“, verriet eine Quelle, die der Staatsduma nahesteht. Der Plan habe vorgesehen, dass die Rede des Söldnerchefs ungeschönt direkt auf Putins Tisch landen würde. Das wäre ein riesiger Skandal gewesen. Alles sei bereits eingefädelt gewesen. Doch am Tag vor der Zusammenkunft habe der Wagner-Chef ohne Angabe von Gründen seine Teilnahme einfach abgesagt.

Meuterei mit Todesfolge
Stattdessen kam es für den Kreml noch schlimmer. Prigoschin platzte am Abend des 23. Juni endgültig der Kragen und er unternahm seinen Putschversuch. Widerstandslos marschierten seine Söldner in der russischen Stadt Rostow am Don ein. Ein Teil der Soldaten machte sich auf den Weg Richtung Moskau und zerstörte dabei mehrere Flugzeuge und Hubschrauber des russischen Verteidigungsministeriums, mit dem der Wagner-Chef im Clinch lag. Am nächsten Tag wurde die Meuterei für beendet erklärt. Exakt zwei Monate später, am 23. August, kam Prigoschin bei einer Flugzeugtragödie zu Tode. Bis heute ist vieles ungeklärt.

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