Geschichtsschreibung geschieht manchmal auch nach der Regel „Daumen mal Pi“, also grob geschätzt. Das zeigt anschaulich ein Mittelalter-Thriller aus Traun, bei dem sich herausstellte, dass zwölf von dreizehn Skeletten um 300 Jahre länger in der Erde liegen als von den Wissenschaftern angenommen.
Im Mai wurden bei Bauarbeiten in 80 Zentimetern Tiefe Skelettreste entdeckt. Weil sich die Baustelle bei der ehemaligen Kirche St. Dionysen befindet, wurde davon ausgegangen, dass die Toten zum Friedhof rund um die Kirche gehörten. Das Gotteshaus wurde um 1290 erstmals erwähnt. Innerhalb der Künette konnten weitere elf Gräber erfasst, freigelegt, dokumentiert und geborgen werden. Im Auftrag der Stadtgemeinde Traun wurde eine Datierung der Knochen mittels Radiocarbonmethode (C14-Datierung) in Auftrag gegeben.
Großes Erstaunen
Das Erstaunen über die Ergebnisse des i Labors „Beta Analytic“ aus Miami (USA) war groß: Eine Probe datiert um 1100, ein Umstand, alle anderen Skelette aber 300 Jahre früher, also um 800 nach Christus. Eine archäologische Sensation: Die Geschichte von Traun/Dionysen muss neu geschrieben werden. Offenbar stand dort schon viel früher ein Gotteshaus.
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