Zyklopen, Göttinnen, ein Schiff im Sturm: Friedrich Eidenberger spielt Odysseus und versetzt den Helden ins Heute, ohne die klassische Homer-Erzählung zu verlieren. Ein toller Short Cut durch antike Mythen für ein junges Publikum.
Er taucht den Kopf in die Wasserschüssel, hält die Luft an, rudert mit den Armen, taucht auf, prustet, stöhnt. Er schildert gebannt seinen Kampf im Sturm. Das ist eine der spannendsten Szenen, die Friedrich Eidenberger in seinem Bühnensolo „Junger Klassiker – Odyssee Short Cuts“ zu bieten hat.
Eine Irrfahrt voller Abenteuer
Brillant übersetzt er die Irrfahrt der antiken Figur ins Heute, erzählt als durchtrainierter, junger Held in einem Fitnessstudio namens „Ithaka“ seine Lebensreise. Nur seine Sprache wirkt etwas antiquiert – Eidenberger wählte absichtlich eine „klassische“ Übersetzung, bleibt dadurch näher am märchenhaften Mythos. Aber seine Emotionen sind im Hier und Jetzt.
Wind und Bogen
Eidenberger charakterisiert den Helden nicht nur voller Mut und List, sondern auch als einen „Abwesenden“, dessen Leben daheim 20 Jahre ohne ihn weitergegangen ist. Nun muss er sich selbst vergewissern, wer er ist. Ein berührendes, starkes Solo, das kompakt viel rüber bringt.
Die Regie, die Eidenberger ebenfalls selbst entwickelte, fasziniert durch den spielerischen Mut, etwa aus einer Trinkflasche Winde zu zaubern, aus Teilen eines Bogens unterschiedliche Waffen zu machen, die zugleich keine sind; Seile, Wasserschüssel, Kasten und Pferd aus dem Turnsaal werden zum Schiff, das ein Meer aus Wellen, Ungeheuern und Gefühlen durchquert.
Grandios, kurzweilig! - Für ein Publikum ab 14 Jahren auf der Studiobühne des Landestheaters Linz.
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