Obwohl sie international viel beachtet werden, führen sie in Vorarlberg eher ein Nischendasein: Die „Bludenzer Tage zeitgemäßer Musik“ finden in diesem Jahr zum bereits 34. Mal statt.
Von Georg Friedrich Haas, den viele für den derzeit größten lebenden Komponisten halten, wurden die „Bludenzer Tage“ gegründet. Seit 2014 ist die Italienerin Clara Ianotta die Intendantin, die seit diesem Jahr auch Professorin für Komposition an der Wiener Musikuni ist. Unter anderem werden die „Bludenzer Tage“ von der „Ernst von Siemens Musikstiftung“ gefördert. Sie sind ein Avantgarde-Festival, quasi ein Labor der Musik. Das jedoch zunehmend das Publikum vor Ort anspricht und in diesem Jahr zum ersten Mal Studierende der Privathochschule „Stella“ in Feldkirch mit einbezieht.
Beim Konzert am Freitagabend, das wie das ganze Festival in der Remise in Bludenz stattfand, hörte man das „Ensemble Nikel“ mit Antoine Francoise, Klavier, Patrick Stadler, Saxophon, Brian Archinal, Schlagwerk sowie Yaron Deutsch, E-Gitarre, der auch im Konzert am Sonntag eine zentrale Rolle spielen wird. Das erste Werk am Freitag stammte vom 33-jährigen Römer Lorenzo Troiani. Umfassend ausgebildet, lässt er sich für seine Werke von Literatur, Malerei und Philosophie inspirieren. Die Uraufführung in Bludenz mit dem Titel „Marea dentro“ („Inwendige Gezeiten“) bietet ruhige Klänge, die unterbrochen werden von erschreckend harten Schlägen. Das Opus „Sh’vira“, das von der aus Deutschland stammenden, nun am Mozarteum in Salzburg lehrenden Sarah Nemtsov geschrieben wurde, lässt mehrere Charaktere erkennen. Verhalten-differenzierte Klänge werden abgelöst von Dramatik oder tänzerischen Rhythmen.
Das Hauptwerk des Konzertes war aber „Us Dead Talk Love“ der renommierten Rebecca Saunders, die unter anderem derzeit „Composer in residence“ an der Elbphilharmonie in Hamburg ist. Der so poetische wie schockierende Text stammt von Ed Atkins, der 2019 im Kunsthaus Bregenz eine Ausstellung bestritt. Dargeboten wurde er von der Stimmkünstlerin und Altistin Noa Frenkel, was ein Ereignis für sich darstellte. Aber auch die Komposition ließ in ihrer etwa halbstündigen Dauer die Spannung nicht erlahmen. Sie baut Wellen auf und schafft so eine nachvollziehbare Form. Dieses wichtige musikalische Kriterium erfüllten auch die anderen Werke, was zu begrüßen ist. Ebenso erfreut, dass von den elf aufgeführten Komponisten der „Bludenzer Tage“ fünf weiblich sind. Das Publikum feierte die Interpreten völlig zurecht.
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