Kongress Pneumologie

Lungenkrebs bei Frauen nimmt weiter zu

Gesund
17.10.2023 12:34

Lungenkrebs ist die häufigste bösartige Erkrankung bei beiden Geschlechtern. Frauen, die in jungen Jahren geraucht haben, sind im Alter besonders gefährdet. Jeder zweite Fall wird erst entdeckt, wenn sich bereits Metastasen gebildet habe. Auch bei anderen Lungenleiden zeigen sich Unterschiede zwischen Männern und Frauen.

„Wir haben in der Pneumologie leider noch nicht so viele Daten wie etwa bei Herz-Kreislauferkrankungen, es zeigt sich aber, dass es bisweilen große Unterschiede im Erscheinungsbild von Lungenleiden zwischen den Geschlechtern gibt“, berichtete Prim. Univ.-Prof. Dr. Judith Löffler-Ragg von der MedUni Innsbruck, Generalsekretärin der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie anlässlich einer Fachtagung in Graz.

„COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung) erscheint bei Männern vor allem durch Auswurf und vermehrtes Husten, Frauen haben mehr Leistungsknick, Müdigkeit und depressive Symptome. Bei Lungenhochdruck von Frauen steht weniger die Belastungsatemnot im Vordergrund, sondern eher der Leistungsknick. Das sollte bei Untersuchungen stärker berücksichtigt werden, aber auch bei der Behandlung und in der Forschung“, so die Expertin bei einer Online-Pressekonferenz.

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Nicht nur in der Therapie, auch in der Medikamentenforschung muss mehr auf Gendermerkmale eingegangen werden.

Dr. Judith Löffler-Ragg, MedUni Innsbruck

Der Kongress anlässlich der 47. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) unter dem Titel „Lunge am Limit“ (23.-25. Oktober, Messekongress Graz) steht daher heuer auch im Zeichen der Gendermedizin. Zahlreiche Erkrankungen der Lunge, etwa Asthma, Lungenhochdruck, Autoimmunerkrankungen, treten bei Frauen häufiger auf. Umgekehrt zeigt sich, so Löffler-Ragg: „In der Covid-Pandemie haben wir gelernt, dass es die Männer waren, welche die schweren Verläufe von Lungenentzündung hatten.“ Dafür zeichnen u. a. genetische wie hormonelle Faktoren verantwortlich, aber auch die Andockstellen (Rezeptoren) und die Eintrittspforten für das Virus.

Lungenkrebs-Fälle

Insgesamt treten knapp 5000 Neuerkrankungen pro Jahr auf, knapp 4000 Patienten sterben daran. Da das Leiden meist sehr spät erkannt wird, ist die Prognose oft ungünstig. Es werden derzeit nur ein Fünftel der Betroffenen im Frühstadium entdeckt. Nahezu die Hälfte aller Erstdiagnosen erfolgt in einem Stadium, wo bereits Absiedelungen, sg. Metastasen vorliegen.

Anzahl der früh erkannten Fälle erhöhen
Karzinome der Lunge treten bei Frauen immer häufiger auf, zum Teil geschuldet dem Rauchverhalten in den 1970er- und 80er Jahren. Aber auch bei Nichtrauchern führen weibliche Lungenkrebspatienten. Sie profitierten ganz besonders von Lungenkrebsscreenings, wie Prim. Univ.-Prof. Dr. Bernd Lamprecht, Vizepräsident der ÖGP, Johannes Kepler Universität, Linz, betonte.

„Lungenkrebs ist sehr häufig, bei Männern nur vom Prostatakarzinom, bei Frauen von Brustkrebs übertroffen. Zählt man die Fälle bei beiden Geschlechtern zusammen, ist es überhaupt die häufigste Krebserkrankung. Das Ziel muss sein, die Anzahl der früh erkannten, und damit besser behandelbaren Fälle, zu erhöhen. Da es aber sehr lange keine fühlbaren Zeichen für die Erkrankung gibt, bedarf es gezielter Maßnahmen“, so der Facharzt.

Mittels Bildgebung (Niedrigdosis-Computertomografie), die Zielgruppen-spezifisch angewandt wird, würde sich Studien zufolge die Sterblichkeit reduzieren lassen. Betroffen sind Personen zwischen dem 50. und 75. Lebensjahr, die über lange Zeit geraucht haben (Rauchstopp nicht länger als 10 Jahre her) oder immer noch rauchen. Sie sollten laut Lamprecht per Früherkennungsprogramm mit Aufforderung und Erinnerung zur Untersuchung erfasst werden.

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