40 Jahre „Krone“

Beton oder Grün: ewiger Kampf um den Bodenschutz

Kärnten
16.10.2023 06:01

Bürgerinitiativen, die sich zum Schutz des Bodens gegen Bauprojekte stellen - das sind Geschichten, die im journalistischen Alltag immer mehr Platz einnehmen. Aber auch schon vor vierzig Jahren war Bodenschutz ein Thema in Kärnten.

Fachmarkt- oder Einkaufszentren mit großzügig asphaltierten Parkflächen davor, breite Einfahrtsstraßen und Punktwidmungen mit großen Einfamilienhäusern am Land – was viele Jahre Usus bei Raumordnung und Widmungspolitik war, wird nun immer kritischer beäugt. Wiesen und Ackerflächen werden gerade im Hinblick auf den Umwelt- und Klimaschutz als immer wertvollere Flächen angesehen.

Gerade Kärnten hat beim Bodenschutz einen schlechten Ruf. Laut Erhebungen des Umweltbundesamtes geht täglich etwa ein Hektar Fläche verloren. 39 Prozent der Landesfläche sind dauerhaft versiegelt (siehe Grafik). Ist das zu viel, oder brauchen wir mehr Flächen, um im begehrten Standortrennen attraktiv zu bleiben?

Der Bund will der Flächeninanspruchnahme jedenfalls einen Riegel vorschieben. Bis 2030 soll die tägliche Reduktion generell auf 2,5 Hektar pro Tag eingedämmt werden. Für einige Bundesländer bedeutet das eine Reduktion von etwa einem Fünftel der bisherigen Flächeninanspruchnahme.

Koralmbahn braucht zusätzliche Flächen
„Die Behauptungen diverser NGOs, dass Kärnten zubetoniert ist, weise ich entschieden zurück. 64 Prozent der Landesfläche sind Wald, rund 30 Prozent der Landesfläche stehen sogar unter Naturschutz. Bodenschutz und ein sorgsamer Umgang mit den Bodenressourcen ist ein wichtiges Ziel des Landes Kärnten“, so Raumplanungsreferent und Landesvize Martin Gruber.

Eine klare Einsparungslinie für Kärnten will Gruber nicht nennen. „Da geht es um eine Grundsatzentscheidung: soll sich Kärnten weiter entwickeln oder nicht? Wenn wir als Lebens- und Wirtschaftsstandort wachsen wollen – zum Beispiel im Hinblick auf die Koralmbahn – werden wir zusätzliche Fläche brauchen.“ Jedenfalls müsse sich das Land bei Raumordnungsfragen in den Gemeinden künftig mehr einbringen. Kritiker und Bodenschützer sehen das jedoch anders, weißen zudem daraufhin, dass die Bevölkerung bis 2050 um weitere 2,3 % zurückgehen werde. Den meisten Boden brauchen wir übrigens für Wohn- und Betriebsflächen.

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Bodenschutz und ein sorgsamer Umgang mit den Bodenressourcen ist ein wichtiges Ziel des Landes Kärnten.

Landesvize Martin Gruber

Unversiegelter Boden erfüllt jedoch wichtige Funktionen: „Er stellt zahlreiche Ökosystemleistungen für die Gesellschaft zur Verfügung: Nahrungsmittel- und Biomasseproduktion, Wasserreinigung, Wasserspeicherung, Lebensraum für Pflanzen, Tiere, Erholungsraum, Speicherung von Kohlenstoff als Beitrag zum Klimaschutz“, heißt es aus dem Umweltbundesamt.

„Kärnten ist fertiggebaut“
Gaby Krasemann ist Raum- und Stadtplanerin und Villacher Gemeinderätin. Im „Krone“-Interview spricht sie unter anderem über die Entwicklung der letzten 40 Jahre.

Krone:Frau Krasemann, wie sah die Raumordnung vor 40 Jahren aus?
Gaby Krasemann: In der Vergangenheit wurde auf den Boden nicht viel Wert gelegt. Das Errichten neuer Gebäude galt viele Jahre lang als Zeichen einer prosperierenden Gemeinde.

Was sind Ihrer Meinung nach die Versäumnisse der Vergangenheit?
Viele Bauprojekte sind aus den Gegebenheiten der Vergangenheit entstanden. Ich freue mich zum Beispiel darüber, dass damals das Gasdampfkraftwerk verhindert werden konnte.

Was hat sich geändert?
In den vergangenen Jahren haben wir erkannt, dass Böden verschiedene Wertigkeiten haben - gerade im Hinblick auf Ackerland, Schutz vor Naturkatastrophen.

Wie könnte die Zukunft aussehen?
Kärnten ist fertiggebaut. Wir brauchen keine neuen Gebäude, vielmehr sollten wir uns überlegen, wie wir mit dem Vorhanden umgehen und Innenstädte sowie Ortszentren nachhaltig stärken.

Was bedeutet die Errichtung von Photovoltaik-Freiflächen für den Bodenschutz?
Wir werden nicht ohne Photovoltaik-Freiflächen auskommen. Da der Boden darunter nicht versiegelt ist, kann er als Weidefläche oder im Gartenbau genutzt werden. Es wird außerdem auch nicht ohne Windräder gehen.

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