Umkämpfte Stadt

Syrien: Rotes Kreuz holte erstmals Verletzte aus Homs

Ausland
25.02.2012 08:56
Das Rote Kreuz hat am Freitag erstmals Verletzte sowie Frauen und Kinder aus der umkämpften syrischen Stadt Homs herausgeholt. Die beiden verwundeten ausländischen Journalisten, die am Vortag per YouTube-Video um Hife gefleht hatten, seien jedoch nicht dabei gewesen, sagte Hicham Hassan vom Roten Kreuz dem arabischen Nachrichtensender Al-Jazeera. Eine breite internationale Allianz hat indessen bei ihrem ersten Treffen in Tunesien mit weiteren Sanktionen gedroht, falls das Regime die Gewalt gegen das eigene Volk nicht sofort beende.

Der Konvoi von Ambulanzfahrzeugen des Syrischen Roten Halbmonds und des Roten Kreuzes sei Freitagnachmittag in den seit Tagen unter schwerem Beschuss stehenden Stadtteil Baba Amro (Bilder) gefahren und habe sieben Verletzte sowie 20 Frauen und Kinder mitgenommen. Zu diesem Zeitpunkt habe jedoch keine Kampfpause geherrscht. Die Evakuierung sei ein erster Schritt gewesen. "Wir wollen alle verletzten Personen in Sicherheit bringen", sagte Hassan.

Journalisten nicht unter den Evakuierten
Das Schicksal der beiden verletzten ausländischen Journalisten bleibt jedoch weiter ungewiss. Die französische Reporterin Edith Bouvier und der britische Fotograf Paul Conroy dürften sich demnach nicht unter den evakuierten Verletzten befunden haben. Die beiden waren bei einem Raketenangriff am Mittwoch an den Beinen verwundet worden und hatten in einem dramatischen Appell per Video um Hilfe gefleht (siehe Infobox).

Syrien-Allianz droht Assad
Die Kontaktgruppe der Freunde Syriens aus mehr als 60 Staaten und internationalen Organisationen hat indessen bei einer Konferenz in Tunis den Druck auf das syrische Regime von Machthaber Bashar al-Assad verstärkt. Von einer Militärintervention wollten die Teilnehmer jedoch nichts wissen. Sie hatten sich zusammengeschlossen, nachdem die Vetomächte Russland und China im UN-Sicherheitsrat mehrfach Zwangsmaßnahmen gegen Syrien verhindert hatten.

In der Abschlusserklärung der Konferenz wurde auch freier Zugang für internationale Organisationen zu belagerten Städten wie Homs verlangt. Zugleich stellte die Gruppe unverzüglich umfassende humanitäre Hilfe in Aussicht, sobald Assad die Angriffe gegen die eigene Bevölkerung stoppt.

Tunesiens Präsident empfiehlt Assad-Exil in Moskau
Der tunesische Präsident Moncef Marzouki legte Assad zudem nahe, mit seiner Familie nach Russland ins Exil zu gehen. Eine Lösung nach dem Vorbild des Jemen sei auf jeden Fall besser als eine Militärintervention oder die Bewaffnung von Deserteuren. Der Assad-Familie solle - wie zuvor der Familie Saleh - Immunität zugesichert werden. Ähnlich äußerten sich die Vertreter mehrerer Golfstaaten.

Am Dienstag will sich der UN-Menschenrechtsrat in Genf in einer Dringlichkeitssitzung mit der Lage in Syrien befassen. Seit Beginn der Proteste im März 2011 wurden nach Schätzungen von Menschenrechtsgruppen bereits mehr als 7.000 Menschen getötet.

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