Di, 19. Februar 2019
24.02.2012 22:19

"Euro-Ringelspiel"

Die wundersame Geldvermehrung durch die EZB

Es ist bizarr: Die Europäische Zentralbank spuckt seit zwei Jahren Hunderte Milliarden Euro aus wie der Goldesel aus dem Märchen – und kein Bürger merkt etwas davon. Das ist aber nicht verwunderlich, denn die bisher 850 Milliarden Euro sind nicht in der Realwirtschaft angekommen – die Abnehmer sind finanzmarode Staaten und der Finanzsektor, also die Banken.

Das gilt sowohl für die Anleihenkäufe der EZB im Ausmaß von bisher 219 Milliarden Euro als auch für die jüngste Erfindung der europäischen Währungshüter: über drei Jahre laufende, spottbillige Kredite an die Geldinstitute.

Erst im Dezember schüttete die EZB 489 Milliarden Euro (!) an frischem Geld aus, das mehr als 500 europäische Banken dankbar entgegengenommen haben. Und am 29. Februar soll es eine zweite Tranche geben, da könnten, so Schätzungen, sogar bis zu einer Billion (1.000 Milliarden Euro) zusätzlich an die Geldinstitute fließen, frisch erzeugtes elektronisches Geld...

Was bringt der ganze Zauber?
Da stellt sich die Frage, was soll dieser ganze schwindelerregende Zauber, was soll das bringen? Ein Blick zurück. Vor einem halben Jahr – die Krise südeuropäischer Staatsanleihen hatte einen neuen Höhepunkt erreicht – tobte ein Streit zwischen den USA und ihrer Nationalbank, der Fed, einerseits und der EZB andererseits über die richtige Maßnahme zur Bekämpfung der Schuldenkrise.

In den USA kauft die Fed einfach neue US-Anleihen auf, überaus praktisch für die Regierung. Vor allem dann, wenn zu den schon vorhandenen US-Schulden von 15 Billionen Dollar heuer noch eine Billion dazukommen wird. Das Problem: Der Einsatz dieser "Bazooka" (eigentlich eine panzerbrechende Waffe) ist der EZB verboten. Aber man wusste sich zu helfen.

Europas Zentralbanker kauften nun den Banken ihre südeuropäischen Schrottanleihen ab, statt direkt neue Staatsanleihen anzunehmen. Mit dem Effekt, dass erstens viele Banken ein ernstes Problem loswurden und zweitens die südlichen Dolce-Vita-Länder mit neuem Geld weiterfinanziert werden können. Thomas Url vom Wifo: "Die EZB macht im Grunde das Gleiche wie die Fed, es heißt nur anders."

Billigstkredite für die europäischen Banken
Dieser an sich verbotenen indirekten Staatsfinanzierung sind aber doch zumindest theoretisch Grenzen gesetzt. Deshalb die Kreditaktion der EZB. Die Banken bekommen zu einem Prozent Zinsen Geld, so viel sie wollen, als Sicherheit akzeptiert die EZB mittlerweile auch ganz normale Geschäftskredite. Offiziell sollte so die Kreditvergabe der Banken an die Unternehmen angekurbelt und die Wirtschaft belebt werden.

Herausgekommen ist etwas ganz anderes. Von den im Dezember in Anspruch genommenen fast 500 Milliarden Euro tauschten die Banken rund 300 Milliarden an kurzfristigem EZB-Geld in nun drei Jahre laufende EZB-Kredite, somit wurde die Liquidität nur um 200 Milliarden ausgeweitet. Und die wanderten auch nicht in die Realwirtschaft, sondern in Staatsanleihen oder wurden wieder bei der EZB veranlagt.

Bleibt noch die Frage: Was ist, wenn dieses gewagte Ringelspiel mit den neuen Euro-Milliarden entgleist, wer zahlt dann drauf? Url: "Ganz einfach: die Anleihenkäufer oder die Steuerzahler." Aber das hat man ohnehin schon geahnt.

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