Votum für Toleranz

Finnland: Schwuler Kandidat im Rennen um Präsidentenamt

Ausland
23.01.2012 12:48
Im Rennen um die Präsidentschaft Finnlands haben die Grünen am Sonntag einen schwer erkämpften Etappensieg gefeiert. Ihr Kandidat, Pekka Haavisto (Bild rechts), der aus seiner Homosexualität nie ein Geheimnis gemacht hatte, war der Star des Abends. Nach einem spannenden Kopf-an-Kopf-Rennen um den zweiten Platz bei der Wahl des Staatsoberhauptes wird der 53-Jährige am 5. Februar gegen den Ex-Finanzminister Sauli Niinistö antreten.

Anders als der von der Wirtschaft favorisierte Niinistö, dessen Umfragewerte in den letzten Monaten stetig gefallen waren und der mit 37 Prozent die absolute Mehrheit deutlich verfehlte, hatte der Kandidat der Grünen in den letzten Tagen deutlich zulegen können. Mit 18,8 Prozent der Wählerstimmen setzte sich Haavisto dann am Sonntag knapp gegen seinen schärfsten Konkurrenten, Paavo Väyrynen, von der liberalen Zentrumspartei für die Stichwahl durch.

Votum für Offenheit und Toleranz
Zahlreiche Kommentatoren bewerteten seinen Etappensieg auch als Votum gegen die Rechtspopulisten, gegen Fremdenfeindlichkeit und für ein offenes und tolerantes Finnland. Offensichtlich ist, dass familiäre Hintergründe nicht mehr eine so große Rolle spielen, wie in der Vergangenheit. Die Mehrheit der Finnen scheint mit der Homosexualität des Grünen jedenfalls kein Problem zu haben. Haavisto lebt mit dem Kolumbianer Antonio Flores (Bild links) in einer registrierten Partnerschaft.

Statt der Euro-Krise, die bislang den Wahlkampf dominiert hatte, will Haavisto nun stärker gesellschaftliche Probleme aufgreifen. Die Menschen würden sich um Armut und Ausgrenzung sorgen, so der 53-Jährige. Das sei auch ein Grund für den Erfolg der rechtspopulistischen Wahren Finnen bei den Parlamentswahlen im vergangenen Jahr gewesen (siehe Infobox). Diese Stimmen will der Grüne nun für sich gewinnen, auch indem er sich tolerant gegenüber den Anhängern der Wahren Finnen zeigt.

Homosexualität als Problem für Rechtspopulisten?
Schon im Wahlkampf hatte Haavisto demonstrativ einen Abgeordneten der Wahren Finnen besucht, der erklärt hatte, man müsse "Neger und Schwule auf die Aland-Inseln", eine weitgehend autonome Provinz in der Ostsee, schicken. Der Politologe Ville Pernaa vermutet aber, dass viele Anhänger der Rechtspopulisten ein Problem mit Haavistos Homosexualität haben.

Der Konservative Sauli Niinistö, ebenso wie Haavisto ein Euro-Befürworter, gilt im Rennen um das Präsidentenamt weiterhin als Favorit, wenn auch ein spannender Endspurt erwartet wird.

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