Männer identifiziert

Skandalvideo: US-Armee um rasche Aufklärung bemüht

Ausland
14.01.2012 09:24
Nach der Veröffentlichung eines Videos, in dem US-Soldaten auf getötete Aufständische in Afghanistan urinieren (Bild), bemüht sich das US-Militär um rasche Aufklärung. Die Marineinfanteristen erklärten am Freitag, einen Drei-Sterne-General als Sonderermittler einzusetzen. Alle vier Soldaten wurden identifiziert, zwei von ihnen bereits vernommen.

Bei den beiden bereits befragten Soldaten handle es sich um Angehörige einer Scharfschützeneinheit, die auf dem Stützpunkt Camp Lejeune im Bundesstaat North Carolina stationiert sei. Beide Männer seien auf freiem Fuß und nicht vom Dienst suspendiert.

Auch die Identität der beiden anderen Soldaten sei bekannt, hieß es. Sie gehörten demnach derselben Einheit an, wurden mittlerweile aber offenbar auf einen anderen Stützpunkt verlegt. Die Soldaten waren den Angaben zufolge zwischen März und September 2011 in der afghanischen Unruheprovinz Helmand im Einsatz.

Ermittlungen auch gegen Vorgesetzte
Den vier Soldaten droht ein Militärprozess wegen Verstößen gegen den Verhaltenskodex der US-Armee und die Genfer Konventionen, wonach die Leichen aus feindlichen Reihen mit Respekt zu behandeln sind. Nach Angaben aus Armeekreisen könnten auch weitere Angehörige der Einheit wie der filmende Soldat von Ermittlungen betroffen sein. Auch Vorgesetzte müssen demnach damit rechnen, dass eine mögliche Mitverantwortung überprüft wird.

US-Verteidigungsminister Leon Panetta hatte sich am Donnerstag beim afghanischen Präsidenten Hamid Karzai telefonisch entschuldigt, der das Verhalten der US-Soldaten scharf verurteilt hatte. Der Oberbefehlshaber der Marineinfanteristen, Vier-Sterne-General James Amos, erklärte, er werde "nicht ruhen, bis die Vorwürfe und die damit verbundenen Geschehnisse aufgeklärt" seien. 

Die Ermittlungen werde der Drei-Sterne-General Thomas Waldhauser führen, der "alle notwendigen Untersuchungen und alle notwendig daraus folgenden Verwaltungs- und Disziplinarmaßnahmen" einleiten könne.

Lage in Afghanistan blieb bislang ruhig
Ähnliche erniedrigende Bilder wie etwa die berüchtigten Aufnahmen aus dem irakischen Foltergefängnis Abu Ghraib (siehe Infobox) hatten in der Vergangenheit in der muslimischen Welt zu Protesten gegen die USA geführt. In Afghanistan waren die Menschen auch aus Wut über eine Koran-Schändung durch US-Soldaten und mehrfach wegen der Tötung von Zivilisten bei NATO-Luftangriffen auf die Straße gegangen. Vor dem Wochenende blieb die Lage in Afghanistan jedoch ruhig.

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