06.01.2012 10:09 |

Neuausrichtung

US-Militärstrategie: Weniger Soldaten, mehr High-Tech

Die USA sind in Finanznöten, auch wegen der sündhaft teuren Kriege im Irak und in Afghanistan. Jetzt krempeln sie ihre Militärstrategie um. Kleiner, schlanker, flexibler soll es zugehen - während sich der Blick vor allem nach Asien und Nahost richtet. "Wir schlagen nach einem Jahrzehnt der Kriege ein neues Kapitel auf", sagte Präsident Barack Obama am Donnerstag in Washington. Weniger Soldaten, mehr High-Tech, ist das neue Motto.

Angesichts harter Sparzwänge und neuer globaler Bedrohungen überholt Washington seine Militärstrategie von Grund auf. Zwei große Bodenkriege zugleich wie im Irak und in Afghanistan sieht das Konzept nicht mehr vor. Der langfristige, von massiver Militärpräsenz begleitete "Aufbau von Nationen" komme zu einem Ende.

"Die Streitkräfte werden kleiner und schlanker", sagte Verteidigungsminister Leon Panetta. Zugleich werde das Militär beweglicher, flexibler und schneller einsatzbereit sein, während es technologisch besser ausgerüstet werde, kündigte er an.

Konzentrieren wolle man sich künftig unter anderem auf dem Einsatz von Spezialkommandos, unbemannten Drohnen und auch auf die Kriegsführung im Cyberspace.

"Werden immer in der Lage sein, mehr als eine Sache zu tun"
Hinsichtlich der Fähigkeit der Vereinigten Staaten, zwei Kriege gleichzeitig zu führen, sagte Generalstabschef Martin Dempsey vollmundig: "Wir werden immer in der Lage sein, mehr als eine Sache zu tun." In dem Strategiepapier ist jedoch nur noch von einem Szenario die Rede, in dem die USA neben einem Großkonflikt sich zudem in der Lage sehen, "in einer zweiten Region die Ziele eines opportunistischen Angreifers zu durchkreuzen oder für ihn die Kosten in eine inakzeptable Höhe zu treiben".

Einsparungen von rund 500 Milliarden Dollar
Im Sommer des Vorjahres hatten US-Regierung und Kongress nach den Worten Panettas Einsparungen im Verteidigungshaushalt von 487 Milliarden Dollar (374 Milliarden Euro) über zehn Jahre vereinbart. Dem trage die neue Strategie Rechnung.

Er wandte sich aber scharf gegen eine mögliche Kürzung von weiteren 500 Milliarden Dollar vom Jänner 2013 an, wenn der Kongress an entsprechenden Plänen zur Verringerung des Defizits festhält.

In wichtigen Regionen wird die Präsenz verstärkt
Trotz der großen Einsparungen ist es möglich die Präsenz mancherorts zu verstärken. Die asiatisch-pazifische Region und der Nahe und Mittlere Osten hätten "wachsende Bedeutung für die Zukunft der USA mit Blickrichtung auf Wirtschaft und nationale Sicherheit", sagte Panetta. Daher werde die Anwesenheit der Armee in diesen Gebieten auch zunehmen. Auch in Bündnisse und Allianzen wie die NATO solle verstärkt investiert werden.

Das Engagement in Europa werde sich "notwendigerweise" den neuen Gegebenheiten anpassen, "vor allem im Lichte der Sicherheitsbedürfnisse des Kontinents verglichen mit strategischen Prioritäten anderswo". US-Medien hatten zuvor über einen möglichen Abzug von 4.000 amerikanischen Soldaten aus Europa spekuliert.

NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen begrüßte die Ankündigungen aus Washington. "Ich begrüße das dauerhafte Bekenntnis der USA zur europäischen Sicherheit, zum Erhalt der Stärke und Solidarität unserer Allianz und zum Eintreten für unsere kollektive Sicherheit", teilte er in Brüssel mit.

Wieviele Soldaten abgebaut werden, ist noch offen
Um wieviel Mann die Streitkräfte aufgrund der Einsparungen nun tatsächlich reduziert werden sollen, wollte Panetta vorerst nicht mitteilen. Der Haushalt für 2012 sehe bereits jetzt den Abbau von 27.000 Soldaten und 20.000 Marineinfanteristen über die nächsten vier Jahre vor, hieß es.

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