Fr, 14. Dezember 2018

Evakuierte reisen ab

26.12.2011 17:58

Großbrand zerstörte Hotel mitten in Hinterglemm

Nach dem schweren Großbrand im Hotel "Glemmtalerhof" in Saalbach-Hinterglemm im Salzburger Pinzgau ist ein Großteil der 141 Gäste am Montagnachmittag abgereist. "Einige Urlauber bleiben noch hier, sie wurden in anderen Hotels untergebracht", erklärte Kurt Möschl, stellvertretender Bezirkspolizeikommandant von Zell am See. Zuvor durften die Hotelgäste von 13 bis 17 Uhr ihr Gepäck aus den Zimmern des Vier-Sterne-Hotels holen, das von der Gattin des Salzburger FPÖ-Obmanns Karl Schnell geführt wird.

Zur Bergung der persönlichen Gegenstände wurden einzelne Trupps gebildet. Ein Statiker hatte zuvor grünes Licht für die Räumung der Zimmer gegeben. "Es war nicht ungefährlich. Kinder und alte Personen durften nicht ins Hotel. Die Gäste, die mitgingen, wurden mit Gummistiefeln und Helmen ausgestattet", schilderte Möschl. Jeweils ein Polizist führte einen Trupp an. Die Beamten waren auch für die Dokumentation zuständig. Danach konnten die Hotelmitarbeiter ihre persönlichen Habseligkeiten mitnehmen.

Da sich immer wieder Glutnester bildeten und auch der Keller ausgepumpt werden musste, konnte die Feuerwehr ihren Einsatz auch am Nachmittag nicht vollständig beenden - auch wenn bereits um 14 Uhr offiziell "Brand aus" gegeben worden war. Zur Klärung der Brandursache fanden sich im Laufe des Tages gleich fünf Sachverständige ein: An den Erhebungen beteiligten sich ein Bezirksbrandermittler, ein Brandermittler des Landeskriminalamts Salzburg sowie drei Experten des Bundeskriminalamtes.

Urlauber saßen im Speisesaal, als Feuer ausbrach
Als das Feuer am Sonntag gegen 22 Uhr im Dachstuhl des Gebäudes ausbrach, saßen viele Urlauber noch im Speisesaal und ließen den Skitag bei einem festlichen Abendessen ausklingen. "Die Leute liefen durch den Speisesaal und riefen 'Es brennt, es brennt'", schilderte ein Tourist. "Zum Zeitpunkt des Brandausbruchs waren 120 Gäste im Haus. Anfangs war es sehr schwierig festzustellen, wer da ist und wer außer Haus ist, damit niemand vergessen wird", schilderte Bezirkshauptmann-Stellvertreter Bernhard Gratz. Weil die Rauchgase bis in die unteren Stockwerke zogen, mussten alle Urlauber, vorwiegend Deutsche und Niederländer, evakuiert werden.

Brand in einem voll belegten Hotel ist Super-GAU"
"Ein offener Brand in einem voll belegten Hotel ist ein Super-GAU, ein Inferno", rang Ortsfeuerwehrkommandant Michael Eberharter mit den Worten. Zweimal rannte das Hotelpersonal durch die Stockwerke, um nachzusehen, ob sich noch Gäste in den insgesamt 68 Zimmern aufhielten. Zur Sicherheit gingen danach auch noch Rettungskräfte und Feuerwehrleute durch das Haus.

"Wir haben uns die Listen immer wieder durchgesehen. Uns fiel auf, dass noch zwei Personen fehlten. Vater und Sohn haben in ihrem Zimmer im zweiten Stock tief geschlafen", erzählte Gratz. Richard Ronacher, Ortsfeuerwehrkommandant aus Viehhofen, weckte die zwei Männer auf und begleitete sie aus dem Hotel. Sie wurden mit einer leichten Rauchgasvergiftung von Rot-Kreuz-Sanitätern ins Krankenhaus gebracht.

Obwohl die Situation in dem Hotel kritisch war, lief die Evakuierung "ohne Panik" und "geordnet" ab, so Bürgermeister Peter Mitterer. Der Ortschef ist selbst seit 1976 bei der Feuerwehr - für ihn war es klar, dass er sich an dem Einsatz beteiligt.

Evakuierte Gäste wurden auf andere Hotels aufgeteilt
Die verschreckten Urlauber mussten glücklicherweise nicht lange in der Kälte vor dem Haus stehen: Sie fanden im 50 Meter entfernten Luxushotel "Alpine Palace" eine Ersatz-Herberge. Dort wurde eine Sammelstelle eingerichtet, von wo aus man die Aufteilung der gestrandeten Touristen in weitere Beherbergungsbetriebe erledigte - was wegen der aktuellen Hochsaison gar nicht so leicht war.

Am Montagvormittag waren die Feuerwehrkräfte noch damit beschäftigt, die letzten Glutnester in dem Holzdachstuhl zu löschen, dafür wurde von einem Kran zweimal das Kupferdach angehoben. Über fünf Millionen Liter Löschwasser wurden verbraucht, der Wasserschaden ist enorm. Ein Teil der 366 Feuerwehrmänner von 15 Feuerwehren aus dem Pinzgau und aus dem Pongau durfte dann Montagmittag den Einsatz beenden.

Elektrischer Defekt in der Sauna als Auslöser?
Was man bisher weiß, ist, dass das Feuer im vierten und fünften Obergeschoß ausgebrochen war. Dort befanden sich der Wellness-Bereich, die Sauna, das Schwimmbad und auch die Wohnung der Familie Schnell. Alles wurde zerstört, alle Habseligkeiten, auch persönliche Dokumente der Hotelbetreiber. "Wenn das Lebenswerk einer Familie zugrunde geht, ist das sehr hart. Das muss man erst realisieren. Dann erst kann man sehen, wie es weitergeht. Das Problem ist auch der Verlust aller persönlichen Dinge. Bei uns am Land gibt es aber die Nachbarschaftshilfe - Freunde und Verwandte, die helfen", fand der Bürgermeister tröstende Worte für die betroffene Familie.

Hausherr Schnell vermutet einen elektrischen Defekt in einer Sauna als Brandursache. Dem Pinzgauer Politiker und praktischen Arzt war die Verzweiflung am späten Sonntagabend anzuhören. "Eine Katastrophe, es sieht schrecklich aus. Das dürfte ein Totalschaden sein", sagte er. Tatsächlich blieb nur der südliche Bettentrakt von der Zerstörung verschont.

Die Polizei bezifferte den Schaden an dem Gebäude jedenfalls mit mehreren Millionen Euro. "Alle Nebenhäuser, die fast auf Tuchfühlung zum 'Glemmtalerhof' stehen, die Pension 'Silvester', das Hotel 'Dorfschmiede' und das Hotel 'Gamshag', blieben zum Glück verschont. Die Wetterverhältnisse waren günstig, es gab keine Windeinflüsse", sagte der Bürgermeister.

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