Racheaktion

Rätsel um brutale Bart-Diebe unter US-Amischen gelöst

Ausland
24.11.2011 18:56
Das Rätsel um brutale Überfälle innerhalb der US-Religionsgemeinschaft der Amischen dürfte nun gelöst sein: Am Mittwoch nahm das FBI im Bundesstaat Ohio den Führer einer Splittergruppe, Samuel Mullet (im Bild), sowie seine drei Söhne, einen Schwiegersohn und zwei Anhänger fest (zweites Bild, in der ersten Reihe). Die Radikalen sollen in brutalen Strafexpeditionen Glaubensbrüdern und -schwestern die Bärte und Haare abgeschnitten haben.

Der inzwischen 66-jährige Mullet lebt seit 1995 mit seinen Anhängern in dem abgelegenen Dorf Bergholz. Zeugenaussagen zufolge ist er seit 2003 Führer - oder Bischof - des dortigen Amischen-Clans. Als zwei Jahre später mehrere Familien im Streit um seinen Führungsstil ausschieden, exkommunizierte er sie - musste aber später miterleben, wie seine Entscheidung bei einem Treffen von rund 300 Amischen-Führern in Ulysses im Bundesstaat Pennsylvania wieder rückgängig gemacht wurde.

Offenbar wurden die Bartschneide-Aktionen dann aus Rache verübt: Unter den Opfern war auch einer der sieben Bischöfe, die an dem Urteil gegen Mullet beteiligt waren. Bei ihren nächtlichen Attacken mit Scheren und elektrischen Haarschneidern gingen Mullets Handlanger mit großer Brutalität vor. Für die Opfer sind die Taten die größte Demütigung: Bärte sind bei den Amischen Zeichen ihrer Würde, nach der Hochzeit dürfen sie nicht mehr abgeschnitten werden.

Friedliche Amischen-Gemeinden geschockt
Die Angriffe schockierten die pazifistische Amischen-Gemeinschaft, der jede Form von Rache verboten ist, zutiefst. Im Rahmen ihrer Ermittlungen stellten die FBI-Beamten nach eigenen Angaben fest, dass Mullet ähnlich wie ein Sektenführer über seine Gemeinschaft herrschte: Anhänger, die sich ihm widersetzten, wurden demnach tagelang im Hühnerstall eingesperrt oder verprügelt.

Mit verheirateten Glaubensschwestern soll der 66-Jährige Sex gehabt haben, um sie "vom Teufel zu reinigen". An den Bartschneide-Aktionen soll er sich nicht selbst beteiligt, sie nach Aussage eines seiner Söhne aber angeordnet haben. Ihm und seinen Mitbeschuldigten droht nun im Höchstfall lebenslängliche Haft.

Ab 18. Jahrhundert aus Europa ausgewandert
Die Amischen sind Angehörige einer Täufergemeinschaft, die im 18. und 19. Jahrhundert aus Europa in die USA auswanderte. Die Gemeinschaft zählt inzwischen rund 260.000 Mitglieder. Am bekanntesten sind sie dafür, dass sie die meisten Aspekte des modernen Lebens ablehnen: Sie leben ohne Elektrizität und bewegen sich allenfalls auf Pferdewagen fort. Viele sprechen noch einen Dialekt, der seinen Ursprung im Deutschen hat.

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