Münzfund belegt

Klagemauer entstand erst nach König Herodes' Tod

Wissenschaft
27.11.2011 08:00
Die Klagemauer in Jerusalem ist – entgegen allgemeiner Auffassung – vermutlich nicht zur Zeit von König Herodes dem Großen vollendet worden. Zu diesem Schluss sind jetzt israelische Archäologen nach dem Fund von vier Münzen, die sie bei Ausgrabungen entdeckten, gekommen. Demnach ist die Mauer frühestens 20 Jahre nach dem Tod von Herodes I., der als Erbauer des Tempelberg-Komplexes gilt, fertiggestellt worden.

Laut Angaben des Archäologen Eli Schukron (Bild) von der israelischen Altertumsbehörde, datieren die unter der Westmauer gefundenen Münzen (Bilder 2 und 3) auf 20 Jahre nach Herodes' Tod. Demnach wurden die Münzen unter dem römischen Präfekten Valerius Gratus, der die Provinz Judäa von 15 bis 26 nach Christus verwaltete, geprägt.

Das bedeutet laut Schukron, dass der Tempel-Komplex samt seiner mächtigen Außenmauern (darunter die heutige Klagemauer), der Juden, Christen und Moslems heilig ist, erst von Herodes' Nachfolgern fertiggestellt wurde. Die durch den Münzfund gewonnenen Erkenntnis stimmen auch mit Aufzeichnungen des jüdischen Historikers Flavius Josephus überein, nach dessen Darstellungen die Tempelanlage gar erst in der Regierungszeit von Agrippas II., der von 50 bis 70 nach Christus König von Judäa war, vollendet wurde.

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