17.11.2011 09:50 |

Schock-Kampagne

Papst küsst Imam: Wieder Wirbel um Benetton-Werbung

Das italienische Modehaus Benetton sorgt wieder einmal mit einem Werbeplakat für Aufregung. Die Bilder einer neuen Anti-Hass-Kampagne zeigen Staatsoberhäupter wie etwa den US-Präsidenten Barack Obama und Chinas Staatschef Hu Jintao beim Küssen. Doch die Fotomontage eines Kusses zwischen Papst Benedikt XVI. und dem ägyptischen Imam Ahmed el-Tajjeb war dann doch zu viel. Nach verärgerten Reaktionen der katholischen Kirche zog das Unternehmen das Plakat wieder zurück.

Es ist ein überraschendes Bild: Papst Benedikt XVI., den Kopf leicht nach links geneigt, presst seine Lippen an die des ägyptischen Imams, der einen Arm von hinten um den Hals des Papstes legt. Benetton ließ das riesige Plakat vorübergehend unweit des Vatikans an einer Brücke vor der Engelsburg aufhängen und fotografieren.

Vatikan: "Absolut unannehmbar"
Die Reaktion der katholischen Kirche ließ nicht lange auf sich warten. Die Bilder seien "absolut unannehmbar" und würden das Bildnis des Heiligen Vaters für kommerzielle Zwecke ausnutzen, brachte Vatikansprecher Federico Lombardi den Ärger der Kirche über die Montage zum Ausdruck. "Es zeigt einen schweren Mangel an Respekt gegenüber dem Papst, einen Angriff auf die Gefühle der Gläubigen", empörte er sich. Auch der Chef des katholischen Fernsehverbands in Italien, Luca Borgomeo, verurteilte die Reklame und forderte, dass diese zurückgezogen wird.

Modehaus spricht von "konstruktiver Provokation"
Benetton lenkte ein und teilte nach der Rücknahme des Papst-Bildes mit, in der neuen Werbekampagne gehe es "ausschließlich um den Kampf gegen die Kultur des Hasses". Das Modehaus habe die "Gefühle der Gläubigen" nicht verletzen wollen, hieß es in einer am Mittwoch verbreiteten Erklärung.

Es handle sich um eine "konstruktive Provokation", hatte Vize-Unternehmenschef Alessandro Benetton zuvor in einer Pressekonferenz erklärt. Ziel sei es, "das Ideal der Toleranz weithin sichtbar zu machen". Das Unternehmen verfolge soziale Ziele und setze sich aktiv für humanitäre Angelegenheiten ein. Dies habe "nicht auf andere Weise global kommuniziert werden können".

Obama darf gleich zweimal küssen
Weitere Bilder der Kampagne zeigen ähnliche Küsse zwischen Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Nicolas Sarkozy geben sich einen leidenschaftsarmen, eher spitzmündigen Kuss. US-Präsident Obama kommt gleich zweimal zum Zug: Er darf nicht nur Chinas Ju Hintao, sondern auch Venezuelas Staatschef Hugo Chavez küssen.

Ein Entwurf mit einem Kuss zwischen Merkel und dem ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi wurde jedoch nach der Bekanntgabe von Berlusconis Rücktritt am Wochenende nicht in die Kampagne aufgenommen. Die "Unhate"-Bilder sind weltweit in Filialen der Modekette sowie in Zeitungen, Zeitschriften und auf Internetseiten zu sehen.

Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).