Versuche an Mäusen

Studie: Starkes Immunsystem kann Krebs verhindern

Wissenschaft
10.11.2011 15:49
Ein starkes Immunsystem kann vermutlich Leberkrebs verhindern. Forscher des Braunschweiger Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) und der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) haben nachgewiesen, dass ein gesundes und leistungsfähiges Immunsystem potenzielle Krebsvorläuferzellen in der Leber frühzeitig entdecken und abtöten kann.

Ihre Erkenntnisse aus Versuchen mit Mäusen und Studien mit Patienten beschreiben die Wissenschaftler im Fachjournal "Nature". Ein ähnlicher Mechanismus wie in der Leber könnte auch in anderen Organen eine Schlüsselrolle spielen, vermuten die Forscher.

Demnach treten Zellen, die besonders gefährdet sind, zu Tumorzellen zu entarten - etwa durch chemischen Stress oder radioaktive Strahlung - in einen Ruhezustand, den man als Seneszenz bezeichnet. Durch diese Art Winterschlaf machen sich die Zellen für das Immunsystem in besonderer Weise erkennbar und die körpereigene Abwehr, die T-Helferzellen, beginnen, diese Zellen verschärft zu überwachen und zu beseitigen, bevor Krebs ausbricht. Diese Leistung könne ein geschwächtes Immunsystem wahrscheinlich nicht in vollem Umfang erbringen, so die Forscher.

An Mäusen untersucht
Um den Zusammenhang zwischen Seneszenz, Immunabwehr und Krebsentstehung zu untersuchen, lösten die Forscher das Seneszenz-Programm in Leberzellen von Labormäusen mit molekularbiologischen Methoden aus. "Wir konnten deutlich sehen, dass das Immunsystem eine starke Reaktion gegen die veränderten Zellen startet", sagte Lars Zender, Leiter der HZI-Forschergruppe Chronische Infektionen und Krebs. Nach einigen Wochen seien die veränderten Zellen aus dem Körper entfernt gewesen. Bei Mäusen, die einen Immundefekt und daher keine T-Helferzellen zur Abwehr besitzen, beobachteten die Forscher hingegen, dass sich die seneszenten Leberzellen zu einem Karzinom entwickelten.

Der neu identifizierte Mechanismus biete auch eine Erklärungsmöglichkeit für die Tatsache, dass für HIV-positive Patienten ein erhöhtes Leberkrebs-Risiko besteht. "Bei HIV-Patienten ist die Immunabwehr durch T-Helferzellen beeinträchtigt, sodass in Lebern von HIV-Patienten seneszente Leberzellen wahrscheinlich nicht effektiv entfernt werden können."

Neue Ansätze für die Therapie?
Die Autoren der Studie hoffen, dass der neu entdeckte Mechanismus neue Ansätze für die Prävention und Therapie bei Krebserkrankungen ermöglichen wird. Bis die Erkenntnisse Niederschlag in der Therapie für Krebskranke finden, werde es allerdings noch viele Jahre dauern.

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