Schlüssel-Erlebnis

"Spider-Man: Edge of Time": Kein Schwing-Spektakel

Spiele
04.11.2011 11:30
Nur knapp ein Jahr nach der Veröffentlichung von "Spider-Man: Dimensions", steht nun mit "Spider-Man: Edge of Time" bereits der nächste Spinnen-Titel von Activision in den Regalen. Doch schon das Cover lässt erahnen, dass das Game mit weniger Spinnen-Charakteren auskommt - statt vier sind es diesmal nur zwei -, und schnell wird klar, dass hier um eine recht gelungene Hintergrundgeschichte ein Spiel kreiert wurde, dass es mit seinem Vorgänger kaum aufnehmen kann.

Protagonisten in diesem gedämpften Schwingspektakel sind der Amazing Spider-Man der 1970er, Peter Parker, und sein krabbelnder Nachfolger aus dem fernen Jahr 2099, Miguel O'Hara. Das Schicksal führt die beiden Superhelden zu Beginn des rund siebenstündigen Spiels zusammen, als sich der fiese Boss des Alchemax-Konzerns selbst in der Zeit zurückschickt, um sein Imperium mit dem Wissen der Zukunft schon früher zu gründen und so sein Konkurrenz auszuschalten.

Beim Versuch, das zu verhindern, gerät Spidey '99 in die Fänge des Riesen-Robos "Anti-Venom", der ihn kräftig in die Mangel nimmt und kurz davor steht, O'Haras Spinnen-Lebensfaden zu durchtrennen. Per Telepathie nimmt der in Bedrängnis geratene durch Raum und Zeit Kontakt zu seinem Retro-Alter-Ego Peter Parker auf, der in den 1970er Jahren lebt, jedoch bereits in einer veränderten Zeitlinie, in der der Alchemax-Konzern das Stadtbild und Leben der Ur-Spinne in New York bestimmt.

Um nun die Pläne des Bösen zu durchkreuzen, gehen einander die beiden Spideys fortan gegenseitig zur Hand; zunächst gilt es den "Anti-Venom"-Prototypen im Jahr 1970 zu demolieren, damit dieser - da niemals fertiggestellt - Spidey '99 nicht den Hals umdrehen kann. So entspinnt sich im Verlauf des Games eine solide Story, die knackig und mit trockenem Humor gewürzt, das Miteinander der Spinnenfreunde verfolgt. Optisch hervorragend in Szene gesetzt, lassen auch die Zwischensequenzen keine Wünsche offen.

Drinnen lässt sich schwer schwingen
Also dann "Los, Netz!" und ab geht die Post - oder auch nicht, denn die Schwingorgien aus "Spider-Man: Dimensions" finden hier schlichtweg nicht statt. Kein Wunder. Es lässt sich nun mal in einem geschlossenen Gebäude - der Alchemax-Firmenkomplex dient als Dauerkulisse - nur spärlich schaukeln. Zwar wurden die Levelabschnitte großzügig angelegt, allerdings kommt man nicht umhin zu bemerken, dass die Shopping-Center-Architektur - hohe Räume mit außenliegenden Balkongängen - offensichtlich an den Superhelden angepasst wurde.

Schwingen ist hier zwar möglich, jedoch bewegt sich der Charakter weit häufiger von einem gelb eingekringelten Haltepunkt zum Nächsten. In Kombination mit der stets schlauchartigen, linearen Levelstruktur und dem fast ständig gleichen Vorgehen - Gegner vermöbeln, Schlüssel suchen, Tür öffnen, und wieder von vorne - kann hier keine Hochstimmung aufkommen.

Boss-Fights mit Pepp
Das Kampfsystem wurde in der Handhabung verfeinert, jedoch stehen neben Schlag-Attacken, Netzschuss und Sprung/Griff nun weit weniger Kombos zur Verfügung. Weil die Bauernopfer zudem keine Leuchten sind und stets nach "Schema F" vorgehen, lässt sich zwar recht munter drauf losprügeln, der Grad der Herausforderung hält sich dabei allerdings in Grenzen. Die Kämpfe mit den Level-Bossen dagegen, von denen - wie könnte es anders sein - man sich jeweils den Schlüssel für den nächsten Abschnitt holen muss, sind allerdings durchwegs gut gelungen und machen richtig Laune. Die Aufmachung der Bewegungsanimationen ist generell recht geschmeidig und fließend geraten.

Der Monotonie zum Trotz warten immer wieder kleine Herausforderungen. Keine schlechte Idee, würde nicht auch hier die Wiederholung immer gleicher Aufträge das Konzept ausdünnen: Meist unter Zeitdruck müssen etwa so und so viele Gegner ausgeknipst, so und so viele Energiekügelchen eingesammelt werden, oder man muss flott von A nach B gelangen. Mehr Laune machen da schon die Spielsequenzen im freien Fall mit Spidey '99. Schade nur dass die Kamera oft hakt und die Steuerung dabei recht tückisch reagiert. Um physikalische Grundgesetze, gemäß denen im freien Fall Strecken innerhalb eines Gebäudes zurückgelegt werden, die auf eine wahrlich extra-gigantisch hohe Hütte schließen lassen, sollte man sich keine Gedanken machen.

Zwischen den Prügelsequenzen gilt es auf dem Weg durch den Alchemax-Tower stets Energiebällchen und goldene Spinnen zu sammeln - letztere sind mitunter gut versteckt. Beides lässt sich dann im Upgrade-Menü investieren, neue Fähigkeiten, Kampfmanöver und Leistungsmerkmale winken als Belohnung. Das Charaktertuning wurde zudem unterteilt in gemeinsame und individuelle Fähigkeiten, um die beiden Protagonisten auch separat verbessern zu können.

Fazit: Nach dem überaus überzeugenden "Spider-Man: Dimensions" bleibt das Spinnen-Duo aus "Edge of Time" deutlich hinter den Erwartungen zurück. Schlauchartige Level, die sich allesamt innerhalb eines Gebäudes befinden, schränken die schwingende Bewegungsfreiheit von Peter Parker in den 70er-Jahren ebenso ein, wie die seines Pendants aus dem Jahr 2099, Miguel O'Hara. Zwar sind Story und Zwischensequenzen hervorragend gelungen und ausdrucksstark inszeniert, doch auch diese Aspekte können über die rund siebenstündige Endlosschleife aus Draufhauen, Schlüssel ergattern und Tür aufsperren nur schwer hinwegtäuschen.

Plattform: Xbox 360 (getestet), PS3, Wii, Nintendo DS, 3DS
Publisher: Activision
krone.at-Wertung: 6/10

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