Die prähistorischen Milchzähne (im Bild ein Backenzahn) aus Cavallo wurden bereits im Jahr 1964 ausgegraben, damals allerdings den vor 200.000 bis 40.000 Jahren lebenden Neandertalern zugeschrieben. Die Ausgrabungen gehören zur sogenannten Uluzzian-Kultur, die sich durch die Produktion von Schmuck und Werkzeugen, die Verwendung von Farbstoffen, aber auch durch eine komplexe Ornamentkultur auszeichnet.
Diese symbolhaften Fähigkeiten gelten eigentlich als Kennzeichen des modernen Menschen - die Zähne von Cavallo schienen bisher aber zu belegen, dass der Neandertaler die Uluzzian-Kultur begründete. Die Studie, die in einer Kooperation des Instituts für Anthropologie der Universität Wien mit der University of Oxford, entstand, wurde in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Nature" publiziert.
Zahnschmelz analysiert
Durch zwei unabhängige Methoden konnten die Forscher nun eindeutig nachweisen, dass die Zähne vom Homo sapiens stammen: Neben der Dicke des Zahnschmelzes wurde auch die Form der Krone mittels Computertomographie analysiert. Zusätzlich wurde an der Schicht, in der die Zähne gefunden wurden, eine sogenannte Radiokarbon-Datierung vorgenommen. Diese ist bei prähistorischem Material schwierig, weil es durch jüngeres Karbon häufig "verunreinigt" ist - und daher oft als "zu jung" angesehen wird.
Die beiden Zähne repräsentieren nach den neuesten Erkenntnissen "die ältesten modernen Menschen in Europa", so der Anthropologe Stefano Benazzi von der Uni Wien in einer Aussendung. "Damit war auch die Koexistenz mit den Neandertalern länger, als bisher angenommen." Wie dieses Nebeneinander aussah, ist allerdings weiterhin unklar. In der Debatte über die kognitiven Fähigkeiten des Neandertalers wurde nun jedenfalls das Argument, sie seien die Schöpfer der komplexen Uluzzian-Kultur, widerlegt. Überreste dieser Kultur finden sich auch in Griechenland. Der Homo sapiens könnte seine Spur auf dem Weg von Afrika über den Nahen Osten nach Europa also auf der "mediterranen Route" hinterlassen haben.
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