Nach scharfer Kritik

EA versucht zu beruhigen: “Origin ist keine Spyware”

Spiele
02.11.2011 12:44
Spieleriese Electronic Arts (EA) sieht sich seit Ende vergangener Woche mit scharfer Kritik konfrontiert. Denn wie GameStar.de aufgedeckt hat, behielt sich das Unternehmen in den Nutzungsbestimmungen seines Online-Spieledienstes Origin das Recht vor, die PCs von Spielern zu durchsuchen und ihre Kommunikation zu überwachen. Nach dem Vorwurf, dieses Vorgehen sei illegal, meldet sich nun EA zu Wort und versucht zu beschwichtigen: "Origin ist keine Spyware", man habe die Nutzungsbestimmungen überarbeitet.

Gleich mehrere Rechtsverstöße hat Rechtsanwalt Thomas Schwenke bei der Analsyse der sogenannten Endbenutzer-Lizenzvereinbarung (EULA) von EAs neuem Spieleservice Origin festgestellt. Diesen muss zwingend benutzen, wer zum Beispiel EAs neuen Hit "Battlefield 3" spielen möchte.

Ein Auszug: EA behält sich das Recht vor, die über die Anwendung stattfindende Kommunikation zu überwachen und jegliche Information zu veröffentlichen, die EA für nötig hält, um deine Einhaltung dieser Lizenz sicherzustellen; geltende Gesetze, Regelungen oder Bestimmungen rechtlicher Verfahren einzuhalten; die Rechte, Interessen und das Eigentum von EA, seinen Angestellten oder der Öffentlichkeit zu schützen. EA behält sich auch das Recht vor, nach eigenem Ermessen Informationen, Material oder Teile davon zu bearbeiten und/oder zu entfernen und einen Transfer abzulehnen. 

Richter empfindet Passagen als "Unverschämtheit"
Solche und ähnliche Passagen seien mit dem deutschen Recht völlig unvereinbar und somit "null und nichtig", so auch Richter Thomas Hören gegenüber Spiegel.de. Hören zufolge, der auch als Professor für IT- und Medienrecht tätig ist, sei dies "eine Unverschämtheit. Ein Unternehmen kann nicht per Vertrag mit Kunden Gesetze aushebeln, die in dem Staat gelten, in dem die Kunden leben."

Origin durchsucht den PC
Schon vor dem Programmstart führte Origin offenbar illegale Aktionen durch: Das Programm durchsucht den PC, noch bevor der Nutzer den AGBs zugestimmt hat. Ein User hat eigenen Angaben nach bildlich festgehalten, dass Origin so zum Beispiel unter anderem Zugriff auf sämtliche SMS in einem Handyordner und sogar alle Daten seines Programms zur Steuerberechnung hatte.

EA: Kein Zugriff auf persönliche Daten
Dies bestreitet EA nun in einer offiziellen Stellungnahme. "Auf Informationen wie etwa Bilder, Dokumente oder persönliche Daten, die nichts mit der Ausführung des Origin-Programms auf dem System des Spielers zu tun haben, wird weder von uns zugegriffen, noch werden sie von uns gesammelt", so der Spieleriese. Bei Origin handle es sich nicht um Spyware, stellt EA fest - um dies klarzustellen, habe man auch die EULA aktualisiert. Laut Gamestar.de wurde zumindest der oben angeführte Absatz komplett gestrichen.

EA behauptet, man sammle die Daten lediglich, um sicherzustellen, dass Kunden möglichst einfach auf Spiele zugreifen könnten und "das beste Spielerlebnis genießen können". Zudem seien die Origin-Datenschutzerklärungen "branchenüblich", verteidigt sich EA. Man werde aber "soweit erforderlich" mit den staatlichen Stellen zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass die Richtlinien gesetzeskonform seien und blieben.

Händler nehmen "Battlefield 3" zurück
Dass die EULA-Änderung jedoch nur auf massiven Druck von Spielern, rechtlicher Seite und Spielemagazinen umgesetzt wurde, verschweigt der Konzern geflissentlich. Den möglicherweise größten Einfluss könnten aber finanzielle Erwägungen gehabt haben: Da die Nutzungsbestimmungen zumindest in Deutschland widerrechtlich waren, erklärten sich zahlreiche Geschäfte bereit, "Battlefield 3" zurückzunehmen. Auch der mächtige Online-Versandhändler Amazon soll Gerüchten zufolge aus diesem Grund Druck auf EA ausgeübt haben. Auf Amazon.de hat das Spiel mittlerweile über 3.200 Kundenrezensionen - davon 2.970 aufgrund des Ärgernisses über Origin mit nur einem Stern.

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