In einem Pilotprojekt werden acht so genannte Mikrowindturbinen am Pfeiler von Tirols bekanntester Autobahnbrücke getestet. Wenn die Probe gut verläuft, ortet die Asfinag in dem System ein vielversprechendes Konzept für die Zukunft.
Nach 60 Jahren als Verbindung zweier Talseiten bekommt die Europabrücke nun ein „zweites Standbein“: Künftig fungiert die Brücke auch als Träger eines Mini-Windkraftwerks. Am Dienstag wurde die Anlage offiziell eröffnet.
Bei der Brückenbetreiberin Asfinag ist man mächtig stolz auf das in Europa einzigartige Projekt, das gemeinsam mit der deutschen Firma Mowea entwickelt wurde: Acht Windturbinen an einem der Brückenpfeiler sollen rund 5000 Kilowattstunden Strom im Jahr erzeugen – das ist in etwa die Menge, die ein Einfamilienhaus benötigt. Verbraucht wird der Strom gleich nebenan an der Asfinag-Mautstelle in Patsch.
Bevor Projekt ausgeweitet wird, braucht es Testdaten
Die Vorteile der Mini-Windanlage liegen auf der Hand: Sie werden an bereits bestehender Infrastruktur angebracht, es braucht also keine Masten, die die Landschaft „verschandeln“. Und anders als Sonne ist Wind in Tirol nur selten Mangelware. Trotzdem war Fotovoltaik in puncto Modularität ein wichtiges Vorbild für Mowea-Entwickler und Geschäftsführer Till Naumann. „Durch die flexible Zusammenstellung können wir jeden Kunden bedarfsgerecht beliefern.“
Geht es nach Asfinag-Geschäftsführer Stefan Siegele, soll die Windkraftanlage nicht die einzige ihrer Art bleiben. „Die Asfinag hat rund 5000 Brücken. Nicht jede davon eignet sich, aber wir wollen in Zukunft weitere Windturbinen anbringen“, hat er große Ziele.
Die Windturbinen kommen ohne zusätzliche Infrastruktur aus. Dieses europaweit einzigartige Projekt ist ein wichtiger Schritt für das Ziel der Asfinag, bis 2030 stromautark zu sei.
Stefan Siegele, Geschäftsführer der Asfinag
Bevor es so weit ist, müssen aber erst Daten gesammelt werden. Nach einer Testphase sind die Turbinen jetzt im Einsatz, bis spätestens Herbst will man aussagekräftiges Material haben. Als größte Herausforderung hat sich in der Testphase der Tiroler Föhn herauskristallisiert. „Diese Windausströmung ist Fluch und Segen zugleich“, erklärt Robert Johnen von Mowea.
Montagearbeit an Seilen in 140 Metern Höhe
Das Mini-Kraftwerk muss also enorme Kräfte aushalten. Dafür ist die österreichische Firma Dynacast zuständig, die die Turbinen in der Nähe von Wien baut.
Sie in 140 Metern Höhe zu montieren, war dann noch einmal eine ganz eigene Herausforderung: „Das war für uns quasi die Meisterprüfung“, lacht Andreas Geisler, Geschäftsführer von Offground Solutions. Fünf Industriekletterer des Innsbrucker Unternehmens waren mit der Aufgabe betraut. „Wir haben allein zwei Wochen für die Vorbereitung gebraucht. Alles muss penibel geplant werden und auch einen Plan B und C braucht es, falls sich etwas ändert“, führt Geisler aus. Für die zentimetergenaue Montage in luftiger Höhe gingen weitere 14 Tage drauf. „Da muss man handwerklich und körperlich wirklich fit sein.“
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