Will NATO anklagen

Gadafi-Familie zieht vor Internationalen Gerichtshof

Ausland
26.10.2011 17:31
Die Familie des getöteten libyschen Machthabers Muammar al-Gadafi will vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag gegen die NATO klagen. Grund sei die Verwicklung des Militärbündnisses in den Tod Gadafis, sagte der französische Anwalt der Familie, Marcel Ceccaldi, am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP in Paris. Der Angriff der NATO auf den Konvoi des fliehenden Gadafi habe direkt zu dessen Tod geführt.

Die "absichtliche Tötung" sei nach den Statuten des Strafgerichtshofs ein Kriegsverbrechen, hob Ceccaldi hervor. Wann die Klage genau eingereicht werden solle, konnte der Anwalt noch nicht sagen. 

In Heimatstadt Sirte getötet
Gadafi war am vergangenen Donnerstag in seiner Geburtsstadt Sirte getötet worden. Er hatte versucht, aus der Stadt zu flüchten, doch der Konvoi war durch einen NATO-Angriff gestoppt worden. Der getötete Machthaber war vor seinem Tod selbst vom IStGH wegen Kriegsverbrechen gesucht worden. Sein Sohn Saif al-Islam und sein Ex-Geheimdienstchef Abdallah Senussi werden weiterhin gesucht.

Die NATO hatte erklärt, sie habe den schwer bewaffneten Konvoi angegriffen, weil dieser sich mit hoher Geschwindigkeit und ohne Rücksicht seinen Weg durch die Vororte von Sirte gebahnt habe. Von der Anwesenheit Gadafis habe die NATO zu diesem Zeitpunkt aber nichts gewusst. Gadafi war danach festgenommen und getötet worden. Ob er bei Gefechten starb oder gezielt von Truppen der Übergangsregierung umgebracht wurde, ist weiter unklar.

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