Auf Tea-Party-Welle

“Joe the Plumber” will in den US-Kongress einziehen

Ausland
26.10.2011 13:42
"Joe the Plumber" probiert es jetzt auf eigene Faust. Nachdem er als Wahlkampfikone des republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain im Jahr 2008 nur mäßig erfolgreich war, will sich der Parade-Normalbürger nun auf der Tea-Party-Welle in den US-Kongress spülen lassen. Er wolle zeigen, dass es auch "ein einfacher Mann aus der Arbeiterklasse" in den US-Kongress schaffen kann, sagte Samuel Wurzelbacher am Dienstagabend bei der Bekanntgabe seiner Kandidatur in East Toledo.

"Ich will versuchen, dieses Land zu reparieren", hatte der berühmte 38-jährige "Installateur" bereits Anfang Oktober gesagt, als er seine Kandidatur in Aussicht stellte (auch auf seiner Homepage). Nach Erledigung der bürokratischen Formalitäten tritt er nun offiziell als Republikaner im 9. Wahlkreis von Ohio an. Dessen Zuschnitt ist kürzlich massiv verändert worden, weswegen Vorhersagen über den Wahlausgang schwierig sind. Allerdings hat Wurzelbacher nicht gerade ein Leichtgewicht als Gegnerin. Mercy Kaptur ist die dienstälteste Demokratin im US-Kongress.

Experten räumen "Joe dem Installateur" dennoch Siegeschancen ein, ist doch der stark industrialisierte Staat Ohio von der Wirtschaftskrise besonders hart getroffen worden. Er will sich vor allem für eine Deregulierung der Wirtschaft stark machen, um mehr Arbeitsplätze zu schaffen. Auch Freihandelsabkommen sind Wurzelbacher ein Dorn im Auge, weil sie die US-Wirtschaft gegenüber ausländischer Konkurrenz benachteiligen würden. "Ich werde alles tun, um Arbeitsplätze zurück nach Ohio zu bringen", betonte der in Florida aufgewachsene Wurzelbacher. Die Kongresswahlen finden im November 2012 statt, zeitgleich mit den Präsidentschaftswahlen.

Konfrontation mit Obama im Wahlkampf 2008
Der glatzköpfige und bullige Veteran der US-Luftwaffe erlangte internationale Bekanntheit, als er bei einer Wahlkampfveranstaltung in seinem Heimatort Holland den damaligen demokratischen Kandidaten Barack Obama zur Rede stellte. Vor laufenden Kameras warf er ihm vor, dass seine Steuerpläne auf Mehrbelastungen für die US-amerikanische Mittelschicht hinausliefen. Obamas Kontrahent McCain machte "Joe den Installateur" daraufhin zum Kronzeugen für seine eigene Wirtschaftspolitik. In seiner letzten TV-Debatte mit Obama verwies McCain mehrmals auf den Arbeiter aus Ohio.

Der Coup zahlte sich aber weder für McCain noch für Wurzelbacher aus. Der Republikaner verlor die Wahl, während sein Wahlhelfer seine liebe Not mit seinem Prominentenstatus hatte. So stellte sich heraus, dass er überhaupt keine Installateurslizenz hat. "McCain hat mein Leben zerstört", sagte Wurzelbacher verbittert. Dass er nun doch weiter im Rampenlicht der Öffentlichkeit bleiben will, erklärt er mit seinem Wunsch, die "katastrophale Politik" von US-Präsident Obama zu bekämpfen.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Ausland
26.10.2011 13:42
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung