25.10.2011 11:42 |

Fragwürdiger Appell

Elternverband fordert Steuer auf Gewalt-Spiele

Der niederösterreichische Landesverband der Elternvereine an höheren und mittleren Schulen sorgt derzeit mit einem fragwürdigen Appell für Aufsehen: "Gewaltverherrlichende Medien und Spiele" sollten - ähnlich Tabak - zusätzlich besteuert werden, so die Forderung mit zahlreichen Schwachpunkten.

"Wer Gewalt verbreitet oder verherrlicht, der soll auch einen Beitrag für die immer schwierigere Präventionsarbeit in der Kinder- und Jugenderziehungsarbeit leisten!", fordern der Vorsitzende Franz Schaupmann und sein Stellvertreter Paul Haschka in einer Aussendung. Die Tabaksteuer sei ein gutes Vorbild - wer rauche, zahle und finanziere damit auch die Krankenversicherungsträger.

Die Einnahmen aus der Gewalt-Steuer sollten für die Verbesserng der Schulinfrastruktur, Nachmittagsbetreuung, Nachhilfe oder Schulsozialarbeit verwendet werden, so der Verband. Daneben fordern die Vorsitzenden, einen größeren Teil der Gewinne von Glücksspielkonzernen der Jugendpräventionsarbeit zufließen zu lassen.

Forderung mit zahlreichen Schwachpunkten
Ob eine Steuer auf "gewaltverherrlichende" Medien und Spiele jedoch zielführend ist, ist äußerst fraglich, zumal in Teilen Österreichs bestimmte Spiele ohnehin nicht an Kinder verkauft werden dürfen. Zudem ist wissenschaftlich eindeutig belegt, dass Rauchen gesundheitliche Schäden verursacht. Im Gegensatz dazu konnten zahlreiche Studien bisher nicht eindeutig belegen, dass brutale Spiele Jugendlichen - Kinder sollten diese selbstverständlich nicht in die Hände bekommen - schaden. Warum hierfür also noch eine zusätzliche Steuer verlangt werden soll, ist nicht klar.

Abgesehen davon ist fragwürdig, ob es an den Spielekäufern sein sollte, für den Ausbau von Schulen und Nachmittagsbetreuung verantwortlich zu sein. Freizeit und staatliche Aufgaben würden so vermischt. Außerdem sind Spieler, die zu Hause ihrem Hobby frönen, nicht für angeblich schwierigere Sozialarbeit verantwortlich zu machen. Zunehmende Probleme mit Jugendlichen können nicht oder wenigstens nicht nur in Computer- und Videospielen gesucht werden.

Positivprädikatisierung in Österreich zu begrüßen
Außerdem müssten die Spiele eingestuft werden, ähnlich dem - größtenteils freiwilligen - europäischen PEGI- oder dem in Deutschland verbindlichen USK-System. Letzteres gerät aber gerade wegen fragwürdiger Einschätzungen oftmals in die Kritik. Schließlich ist ein Spiel mit nicht kindgerechten Inhalten wie Blut und Tötungen nicht automatisch gewaltverherrlichend. Ein Unterschied, der spielefeindlichen Kritikern oft nicht begreiflich zu machen ist.

Dabei geht Österreich mit der BuPP (Bundesstelle für die Positivprädikatisierung von Computer- und Konsolenspielen) einen guten Weg: Statt Games zu dämonisieren, werden Eltern auf kindergerechte Spiele für verschiedene Altersgruppen aufmerksam gemacht.

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