Gadafi ist tot
“Ende eines langen und schmerzhaften Kapitels”
Mit den Worten "Der Libyen-Krieg ist jetzt zu Ende" kommentierte Berlusconi als erster internationaler Spitzenpolitiker die Berichte über Gadafis Tod. Die ehemalige Kolonialmacht Italien war bis zum Beginn des Anti-Gadafi-Aufstandes Mitte Februar der engste Verbündete und wichtigste Handelspartner des libyschen Regimes in Europa.
Obama: "Wir werden Partner sein"
Obama betonte, das libysche Volk habe nun die Chance, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, und rief zum Aufbau von Demokratie auf. "Sie haben ihre Revolution gewonnen", sagte er an die Adresse der Rebellen und der Bevölkerung, aber er warnte: "Es werden schwierige Tage bevorstehen." Die USA und die internationale Gemeinschaft stünden an der Seite des libyschen Volkes. "Wir werden der Partner sein, während Sie eine Zukunft gestalten, die Würde, Freiheit und Chancen birgt."
Der Tod Gadafis sei "ein weiterer Beweis, dass jede Herrschaft durch die eiserne Faust unweigerlich ein Ende finden wird". Überall in der arabischen Welt hätten sich die Menschen erhoben, um ihre Rechte einzufordern. Politische Führer, die ihrem Volk menschliche Würde vorenthalten wollten, würden keinen Erfolg haben.
Biden freut sich über NATO-Erfolg
US-Vizepräsident Joe Biden hatte zuvor den Libyen-Einsatz der NATO als Beispiel für eine erfolgreiche Arbeitsteilung innerhalb der Allianz gewertet. "Jahrelang haben wir über Lastenteilung gesprochen", sagte Biden. Er erinnerte daran, dass Präsident Obama darauf beharrt habe, dass die NATO bei dem Einsatz die Führung übernehme. Biden betonte weiter, dass die USA zwei Milliarden Dollar im Rahmen des Einsatzes ausgegeben hätten und "kein Menschenleben verloren haben".
EU: "Ende einer Ära von Depotismus"
Die EU-Spitzenpolitiker Herman Van Rompuy und Jose Manuel Barroso bezeichneten den Tod von Gadafi am Donnerstag als "Ende einer Ära von Depotismus und Repression". Der Ratspräsident und der Kommissionschef der Union betonten in einer gemeinsamen Erklärung: "Heute kann Libyen ein Kapitel seiner Geschichte abschließen und eine neue demokratische Zukunft in Angriff nehmen." Sie riefen den Übergangsrat auf, einen Versöhnungsprozess auf breiter Basis zu verfolgen, der einen demokratischen, friedlichen und transparenten Übergang des Landes gewährleiste.
Spindelegger: "Gefühl der Erleichterung"
Außenminister Michael Spindelegger erklärte: "Mit dem Tod von Muammar al-Gadafi gehen mehr als 42 Jahre Diktatur in Libyen zu Ende. Wenngleich Freude über den Tod eines Menschen nie angebracht ist, herrscht ein Gefühl der Erleichterung, denn jetzt hat das Blutvergießen endgültig ein Ende." Bundeskanzler Werner Faymann stellte zur Nachricht vom Tod Gadafis fest: "Einem demokratischen Neubeginn in Libyen steht nichts mehr entgegen." Über die vergangenen Jahrzehnte habe das Gadafi-Regime die Grund- und Menschrechte immer wieder verletzt und viel Leid über die Zivilbevölkerung gebracht.
Der britische Premier David Cameron sagte dem libyschen Volk nach dem Tod Gadafis weiter Unterstützung zu. Die Menschen in Libyen hätten nun eine noch größere Chance, sich eine Zukunft aufzubauen. "Ich bin stolz auf die Rolle, die Großbritannien dabei gespielt hat", sagte Cameron mit Blick auf den Sturz des Gadafi-Regimes. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy bezeichnete das "Verschwinden" Gadafis als "bedeutende Etappe" auf dem Weg zur Befreiung Libyens. Nun werde man "eine neue Seite" für das lybische Volk aufschlagen, "jene der Aussöhnung in der Einheit und Freiheit".
Merkel: "Dieser Tag setzt Schlusspunkt"
Laut Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel geht mit dem Tod Gadafis ein blutiger Krieg zu Ende, den der Machthaber gegen sein eigenes Volk geführt habe. "Dieser Tag setzt einen Schlusspunkt unter das Regime Gadafi, es ist ein wichtiger Tag für die Libyer. Der Weg ist nun endgültig frei für einen politischen Neuanfang in Frieden. Darüber ist Deutschland erleichtert und froh." Der russische Präsident Dmitri Medwedew forderte die Vertreter des libyschen Übergangsrates und der verschiedenen Stämme zu einer Einigung über die künftige Regierung auf. "Libyen muss ein moderner demokratischer Staat werden", so Medwedew.
UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon bezeichnete den Tod Gadafis als entscheidenden Wendepunkt für das nordafrikanische Land. "Dieser Tag markiert eindeutig einen historischen Übergang für Libyen", sagte Ban am UN-Sitz in New York. Der UN-Generalsekretär rief die Kämpfer auf beiden Seiten auf, ihre Waffen niederzulegen. "Das ist eine Zeit für Wiederaufbau und Heilung."
Syriens Opposition: "Assad ist der Nächste"
Die Opposition in Syrien begrüßte das Ableben Gadafis und hofft nun auf ein Ende des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad. "Gadafi ist gegangen, und als Nächster bist du dran, Bashar!", heißt es auf der Facebook-Seite "Syrian Revolution 2011". Der Internet-Auftritt der Opposition zeigt auch die rot durchgestrichenen Porträts der gestürzten Machthaber Hosni Mubarak (Ägypten), Ben Ali (Tunesien) und Gadafi - neben den nicht durchgestrichenen Konterfeis von Assad und Ali Abdullah Saleh (Jemen). "Dies ist das Ende der Tyrannen", hieß es auf der Seite.
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