Käfige geöffnet

Ausgebrochene Wildtiere halten US-Kleinstadt in Atem

Ausland
19.10.2011 16:48
Herumlaufende Bären, Tiger, Löwen und andere gefährliche Tiere haben die Einwohner einer Kleinstadt im US-Staat Ohio in Angst und Schrecken versetzt. Am Mittwoch herrschte in Zanesville nach Polizeiangaben der Ausnahmezustand. Schulen blieben geschlossen, Dutzende mit Gewehren bewaffnete Polizisten sperrten für ihre Jagd nach den exotischen Tieren zahlreiche Straßen. Die Menschen blieben aus Furcht vor Angriffen in ihren Häusern.

Der Zoo-Besitzer Terry Thompson (viertes Bild) habe die Gehege seines privaten Anwesens an einer Hauptstraße am Dienstag geöffnet, bevor er sich selbst umgebracht habe, sagte Sheriff Matt Lutz auf einer Pressekonferenz. Die Beamten sowie herbeigeilte Mitarbeiter des Zoos in Ohios Hauptstadt Columbus hatten sich noch in der Nacht auf der Suche nach den "ausgewachsenen, großen und sehr aggressiven" Tieren gemacht.

Wie Lutz mitteilte, hielt Thompson insgesamt 56 Tiere, darunter 18 Tiger, 17 Löwen und acht Bären. Auch Orang-Utans, Kamele oder Geparde waren aus dem Privatzoo ausgebrochen. 48 Tiere seien mittlerweile erlegt und sechs in einen Zoo gebracht worden. Ein Affe und ein Wolf blieben den Angaben zufolge noch verschwunden.

Sehr gefährliche Situation
"Es ist eine sehr gefährliche Situation und wir treffen alle Vorsichtsmaßnahmen, die wir können", sagte Tom Stalf vom städtischen Zoo im nahegelegenen Columbus dem TV-Sender NBC. Der Zoo schickte zur Unterstützung der Polizei mehrere Mitarbeiter nach Zanesville. Bei den ausgebrochenen Tieren handle es sich größtenteils um erwachsene Fleischfresser, sagte Stalf. Diese seien "besonders gefährlich", wenn sie aus dem Gehege in die freie Wildbahn entkommen.

Tierexperte: "Als wäre die Arche Noah gestrandet"
Der emeritierte Direktor des Columbus-Zoos und Tierexperte, Jack Hanna, unterstützte die Behörden vor Ort: "Es ist hier, als wäre die Arche Noah gestrandet", sagte er bei der Pressekonferenz. Sheriff Lutz sprach von einer "furchterregenden Szene", als seine Mitarbeiter abends bei dem privaten, 40 Hektar großen Reservat eintrafen und die Tiere wild im Dunkeln herumlaufen sahen, darunter ein 150 Kilo schwerer Tiger. Teilweise hätten die Beamten aus nächster Nähe auf die Tiere schießen müssen.

Farmbesitzer verärgerte Ort mit Tiersammlung
Farmbesitzer Thompson hatte mit seiner Tiersammlung schon seit Jahren für Beschwerden in der Bevölkerung gesorgt, berichtete die örtliche Zeitung "Zanesville Times Recorder". Im Oktober 2010 sei er nach einer einjährigen Haftstrafe, unter anderem wegen Tierquälerei, aus dem Gefängnis gekommen. Medienberichten zufolge hatte die US-Bundespolizei FBI bei einer Razzia auf der Farm im Juni 2008 mehr als 100 Waffen beschlagnahmt.

Auch die Tierschutzorganisation Peta hatte beim US-Landwirtschaftsministerium über die illegalen Aktivitäten des Zoobesitzers geklagt. "Das Erschießen dutzender exotischer Tiere in Zanesville ist ein tragisches Beispiel, wie falsch Dinge laufen können, wenn Menschen erlaubt wird, wilde Tiere zu halten", teilte Peta mit.

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