Mit 15 Jahren war der Zillertaler Robert Pramstrahler erstmals beim Großereignis beruflich tätig - das ist er bis heute ohne ein Jahr Pause. Auch heuer werden wieder 30.000 Besucher erwartet.
Robert Pramstrahler (57) ist seit 2009 Bürgermeister von Zell am Ziller – jener Gemeinde, in der seit Jahrhunderten das Gauder Fest stattfindet. Ihn verbindet damit weitaus mehr als die Tatsache, dass er seit Jahren Teil des Organisationskomitees ist. „Ich kann mich an kein ,Gauder’ erinnern, auf dem ich privat gewesen wäre“, lässt der Zillertaler aufhorchen.
Ich habe unter anderem stets beim Aufbau mitgeholfen und bin auch stets mit Kreuzweh nach Hause gekommen.
Robert Pramstrahler, BM von Zell am Ziller
1980 – mit zarten 15 Jahren – trat Pramstrahler als Musikant der Bundesmusikkapelle Zell/Ziller bei. „In diesem Jahr absolvierte ich mit der Kapelle meinen ersten Einsatz beim Gauder Fest“, erzählt Pramstrahler. Ausgehen war ihm damals nicht erlaubt: „Mein Vater war Gendarm, das hat er bis zur Volljährigkeit strikt verboten. Daher kam bis dahin nur der musikalische Einsatz sowie das Helfen untertags bei der Musik-Bude im Zuge des Gaudes Festes in Frage“, grinst der Tiroler.
„Ich ging stets mit Kreuzweh nach Hause“
Im Jahr 1983 schloss er die Fremdenverkehrsfachschule ab – mittlerweile „Zillertaler Tourismusschulen“. „Dann übersiedelte ich volée in den TVB und übte meine ersten Tätigkeiten beim Fest aus: Ich war Schreiberling bei den Widder-Kämpfen, die damals noch nicht verboten waren, und beim Ranggeln“, blickt Pramstrahler zurück.
Das ging 17 Jahre lang so, dann stieg er auf. „Ab 2000 war ich in die ersten Weiterentwicklungen des Gauder Festes eingebunden – und zwar mit Walter Strasser und Martin Lechner. Damals gab es noch ein kleines Zelt. Ich habe unter anderem stets beim Aufbau mitgeholfen und bin auch stets mit Kreuzweh nach Hause gekommen“, schmunzelt er.
Ohne all diese Mitarbeiter, die Vereine und viele mehr wäre das Gauder Fest in seiner Dimension keinesfalls durchführbar.
Robert Pramstrahler, BM von Zell am Ziller
Im Februar 2012 übernahm der Bürgermeister die Freizeitpark Zell GesmbH. Ab diesem Zeitpunkt sei er erstmals in der Organisation des Festes ganz vorne gewesen. Und seit es im jetzigen großen Stil durchgeführt wird, zeichnet Pramstrahler für die komplette Abwicklung des Sicherheitsbereiches verantwortlich.
„Ich habe in allen Bereichen gearbeitet und alles von der Pike auf gelernt, was mir jetzt hilft“, sagt er. Er wisse das zu schätzen – doch nicht nur er: „Das Mitarbeiter-Team sieht und spürt das ebenfalls und ich sehe und spüre wiederum, wie intensiv und hart sich alle einsetzen und wahre Wunder bewirken. Ohne all diese Mitarbeiter, die Vereine und viele mehr wäre das Gauder Fest in seiner Dimension keinesfalls durchführbar“, ist Pramstrahler überzeugt.
„Da fragt man sich, ob man im falschen Film ist“
Immer wieder fragen ihn Besucher, wieso er sich das alles antue. „So kompliziert und schwierig eine Nacht beim Gauder Fest ist, so schön ist es zwischendurch mit nüchternem Blick zu sehen, dass alles funktioniert und man einen Beitrag dafür geleistet hat. Das gibt mir eine innere Zufriedenheit.“
Und dennoch habe es den einen oder anderen Moment gegeben, in dem er sich gewünscht hätte, privat hier zu sein: „Beim Disco-Eingang beging ein Security einen Fehler. Die Besucher drängten, es bildete sich ein regelrechter Pfropfen. Das war kritisch, wir bekamen die Situation aber in den Griff.“
Und auch die Einsatzzentrale bringt den 57-Jährigen immer wieder zum Nachdenken: „Ein junger, stark betrunkener Bursche wurde gebracht. Nachdem wir herausgefunden hatten, wer es war, riefen wir bei ihm Zuhause an. Die Angehörigen sagten uns dann, dass wir den ,Rauschigen’ nicht bringen sollen – er solle sich dort ausschlafen, wo er gerade sei. In diesen Momenten fragt man sich schon, ob man im falschen Film ist.“
Diese Schattenseiten gehören zum Fest dazu, aber sie entmutigen Pramstrahler nicht, weiterzumachen – im Gegenteil: Er sprüht nur so vor Ideen. Man darf somit gespannt sein.
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