Mutter aller Streiks

Griechenland: Athener Zentrum als Schlachtfeld

Ausland
20.10.2011 08:27
Der von einer griechischen Zeitung "Mutter aller Streiks" getaufte Ausstand ist am Mittwochabend im Athener Stadtzentrum von heftigen Straßenschlachten überschattet worden. Nach stundenlangen Auseinandersetzungen mit schwarz vermummten Jugendlichen räumte die Polizei den Syntagma-Platz, an dem auch das Parlament seinen Sitz hat. Die Abgeordneten berieten zeitgleich über weitere drastische Einsparungen, die sie am Abend in einer ersten Lesung billigten. Die Schlussabstimmung ist für Donnerstag geplant.

Nach Angaben der Polizei beteiligten sich am Mittwoch rund 130.000 Menschen an Protesten in Athen, Thessaloniki, Patras und Heraklion.

Rauchsäulen und Evakuierung
Auf dem Syntagma-Platz in Athen hatte sich am Mittwoch um die Mittagszeit eine große Menschenmenge - insgesamt war von 70.000 Menschen die Rede - zum Protest versammelt. Die Polizei ging mit Tränengas gegen Randalierer vor, die Steine und Brandsätze warfen. Der Qualm brennender Autoreifen überschattete die Akropolis. Ein Bankgebäude, in dem durch einen Molotowcocktail ein Brand ausgebrochen war, wurde evakuiert.

Nach der Räumung des Platzes gingen in Nebenstraßen die Auseinandersetzungen zwischen Polizisten und dem "Schwarzen Block" weiter. Auch in mehreren Hauptstraßen wurden Krawalle gemeldet. Es gab zahlreiche Verletzte, die zumeist über Atemnot klagten oder Verbrennungen oder Platzwunden erlitten hatten.

Tränengas-Geruch im Parlament
Die Polizei, deren Beamte von den geplanten Einsparungen ebenso wie andere Beschäftigte der Privatwirtschaft und des öffentlichen Dienstes betroffen sind, hatte mehr als 5.000 Kräfte im Einsatz. Sie sollten schwere Ausschreitungen wie im Juni verhindern. Dennoch gelang es Demonstranten erstmals, bis zu den Stufen am Fuße des Parlamentsgebäudes vorzudringen. Ein Reuters-Reporter berichtete, das Tränengas sei auch im Parlamentsgebäude zu riechen gewesen.

Die Stimmung unter den Zehntausenden Demonstranten war mehr als aufgeheizt. "Wir haben hier keine Zukunft. Alle jungen Leute wollen ins Ausland und sie haben recht", sagte die 17-jährige Anastasia Kolokotsa. "Es gibt keine Jobs, hier gibt es nichts." Viele der jungen Demonstranten trugen Helme.

Papandreou: "Wie im Krieg"
Alle Appelle von Ministerpräsident Giorgos Papandreou an sein Volk sind bisher verpufft. Er wandte sich zuletzt am Dienstagabend eindringlich an die Griechen und verglich die Lage des Landes mit einem Krieg. "Wir müssen durchhalten in diesem Krieg als Volk, als Regierung, als parlamentarische Gruppe, für das Land, um ihn zu gewinnen", so der sozialistische Regierungschef. "Wir werden für das Land siegen, wir werden durchhalten."

Finanzminister Evangelos Venizelos sagte, Griechenland befinde sich in einem lähmenden, aber nötigen Kampf. "Von jetzt bis Sonntag kämpfen wir die Schlacht der Schlachten." Beim nächsten EU-Gipfel am Sonntag in Brüssel soll eine Strategie für das weitere Vorgehen in der Schuldenkrise beschlossen werden.

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