Nicht nur die hohen Preise für Lebensmittel und Energie sorgen bei vielen Burgenländern für Kopfzerbrechen, sondern auch die steigenden Kreditraten. Beim Bankenombudsmann des Landes laufen derzeit die Telefone heiß.
Die Zahl der Kontakte hat sich im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. Die meisten wollen wissen, wie sie mit den gestiegenen Zinsen und den damit verbundenen höheren Rückzahlungsraten umgehen sollen.
„Niemand damit gerechnet“
Der Hintergrund: In der Vergangenheit waren fix verzinste Kredite bei den Kunden unbeliebt, weil die variable Variante einen niedrigeren Zinssatz hatte. Viele entschlossen sich deswegen für die scheinbar günstigere Alternative, gingen davon aus, dass die Zinsen niedrig bleiben würden. „Niemand hat damit gerechnet, dass der Leitzinssatz so oft in so kurzer Zeit erhöht wird, und jetzt zahlen die Kunden oft mehr als das Doppelte an Zinsen und Rate“, so der Bankenombudsmann Ernst Loos.
Rat: Abwarten
Er rät, in der jetzigen Situation abzuwarten und allenfalls mehr Budget für höhere Kreditraten zu reservieren. Auch Sondertilgungen - sofern leistbar - würden sich fast immer auszahlen. Das verringere den Kreditsaldo und damit die Rate und bringe mehr als die Zinsen, die man aktuell für diesen Betrag auf einem Sparbuch bekommt.
Umstieg auf Fixzins lohnt sich nicht immer
Loos geht davon aus, dass sich die Zinslandschaft mittelfristig wieder etwas erholen und es fallende Zinsen geben wird. „Wer jetzt also eine hohe Rate stemmen muss, sollte versuchen, anhand einer Haushaltsrechnung seine Kosten zu evaluieren und vielleicht Einsparungen suchen, um sich die Rate leisten zu können“, so der Experte. Wer nun überlege, auf einen Fixzinssatz umzusteigen, sollte sich die Sache vorher genau anschauen, da auch dort mittlerweile hohe Raten zu zahlen seien. Ähnliches gelte bei einer Umschuldung auf eine andere Bank, oft würden hier noch Spesen dazukommen.
Wenn es wirklich eng wird, ist eine rechtzeitige Kontaktaufnahme mit der Bankenombudsstelle oder der Schuldenberatung wichtig. So können viele Probleme vermieden werden.
Landeshauptmann-Stellvertreterin Astrid Eisenkopf
Ombudsstelle hilft
Wenn es wirklich nicht mehr weitergeht, sollte der Kontakt mit Ombudsstelle sowie mit der Bank bezüglich einer Laufzeitverlängerung aufgenommen werden. Die Ombudsstelle ist kostenlos und arbeitet eng mit der Schuldenberatung des Landes zusammen. „Wir bieten hier ein wirklich breites Unterstützungsangebot für finanziell in Not geratene Menschen“, erklärt die zuständige Landeshauptmann-Stellvertreterin Astrid Eisenkopf.
Das Positive: Trotz der vielen Anrufe gab es bisher noch keinen Fall, bei dem der Kredit gar nicht mehr bezahlt werden konnte.
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