"Forza Motorsport 4" – das bedeutet auch diesmal, sich vom Amateur mit dem popeligen Kleinwagen zum Profi mit dem PS-starken Rennboliden hochzufahren. Die "Welttournee" bietet dafür die optimale Bühne: In zahlreichen Einzelevents und Meisterschaften rund um den Globus gilt es sich nach und nach seine Sporen zu verdienen. Zur Belohnung winken Credits und neue Autos, von denen es gleich so viele gibt, dass dem Spiel eine zweite DVD beiliegt.
Blick ins Cockpit und unter die Motorhaube
Diese sind mit 800.000 Polygonen pro Modell so schön, dass die Entwickler mit "Autovista" gleich einen eigenen virtuellen Showroom kreiert haben. Dort können Kurven, Cockpit und das, was unter der Motorhaube schnurrt, genauer unter die Lupe genommen werden, und zwar nicht nur mittels Controller, sondern erstmals auch mit Microsofts Kinect-Bewegungssteuerung, die gleich in mehrerlei Hinsicht ins Spiel integriert wurde.
"Forza" kann jetzt auch Kinect
So können die einzelnen Punkte des Hauptmenüs etwa per Sprachbefehl aufgerufen und geöffnet werden. Da die Unterpunkte aber bereits von dieser an sich recht komfortablen Steuervariante wieder ausgenommen sind, handelt es sich hierbei wohl mehr um ein Gimmick als eine sinnvolle Ergänzung zum Controller.
Anders verhält es sich im eigentlichen Rennen, was auf Wunsch neuerdings ebenfalls per Gesten bestritten werden kann. Da die Möglichkeiten im Vergleich zur Steuerung per Controller jedoch beschränkt sind, übernimmt die CPU hierbei das Beschleunigen und Bremsen des Boliden. Der Spieler lenkt also lediglich, was aber durchaus gut funktioniert und der ansonsten eher trockenen Simulation den gewissen Arcade-Faktor verleiht.
Neues Lenkrad zum Spiel
Deutlich präziser lenkt es sich allerdings mit dem neuen "Wireless Speed Wheel" (siehe Bild), welches zum Start des Spiels für um die 40 Euro erhältlich sein soll. Wie der Name bereits erahnen lässt, kommt es ohne Kabel aus, verfügt ansonsten aber über die vom Controller gewohnten Buttons und Schultertasten. Letztere haben ein etwas größeres Spiel, während die Buttons im Vergleich zum Controller ein Stück weit kleiner ausfallen, um auf dem insgesamt recht (für große Hände vielleicht zu) schmalen Lenkrad Platz zu finden.
Angetrieben wird das neue Wireless Speed Wheel von zwei handelsüblichen AA-Batterien, die zugleich auch den nötigen Strom für die integrierte Rumble-Funktion liefern. Da das Lenkrad im Gegensatz zu seinem Vorgänger, dem "Racing Wheel", jedoch ohne Pedale auskommt, dürfte die angepeilte Zielgruppe wohl die der Arcade-Gamer und weniger jene der Simulations-Fans sein.
Neue Online-Modi stacheln den Wettbewerb untereinander an
Diese können aber aufatmen: "Forza Motorsport 4" bietet trotz Kinect-Unterstützung und Casual-Anleihen noch immer reichlich Herausforderungen für den Core-Gamer. Beispielsweise im neuen "Rivalen"-Modus, in dem es in verschiedenen Wettbewerben die Bestzeiten oder Punktestände eines zufällig zugewiesenen Kontrahenten zu schlagen gilt – unabhängig davon, ob dieser tatsächlich online ist oder nicht.
Den Wettbewerb unter den Spielern anstacheln soll auch der neue Online-Modus "Mein Club". Hierbei können sich mehrere Spieler zu einer "Fahrgemeinschaft" zusammenschließen, in der Autos oder beispielsweise Tuning-Einstellungen, aber auch Erfolge und Niederlagen miteinander geteilt werden. Denn alle Leistungen der Mitglieder fließen in eine Gesamtbewertung, die wiederum in eine Art Liga mündet, in der sich die jeweiligen Auto-Clubs miteinander messen.
Auto-Bowling mit "Top Gear"
Unabhängig davon können in "Forza Motorsport 4" nun bis zu 16 Spieler online gegeneinander antreten. Das gilt neben den üblichen Rennen auch für die neuen "Top Gear"-Herausforderungen. Basierend auf der gleichnamigen Erfolgsserie der BBC, können Gamer darin auf dem bekannten Testparcours zum Beispiel einer Runde Auto-Fußball frönen oder versuchen, während des Fahrens möglichst viele Bowling-Pins umzuräumen. Das mag zwar nicht viel mit dem eigentlichen Rennzirkus zu tun haben, bietet jedoch all jenen, die es möchten, zusätzliche Abwechslung. Wer möchte, kann darüber hinaus auch offline per Splitscreen um die Wette fahren, dann allerdings nur mit maximal zwei KI-Gegnern.
Kurzum: Der Möglichkeiten gibt es in "Forza Motorsport 4" viele. Angesichts dessen überrascht es jedoch, dass diverse "Kleinigkeiten" nicht bereinigt wurden. So gibt es beispielsweise nach wie vor kein dynamisches Wetter, das einen während des Rennens etwa mit einem Schauer überraschen könnte. Ausbaufähig wäre auch das Schadensmodell, hinterlassen Rempler und dergleichen mehr doch nur geringfügige Spuren an den Karosserien der Hochglanz-Boliden. Im Gegensatz zu diesen hat man beim Publikum gespart: Statt bunt animierter Fans warten auf den Tribünen lediglich, stumm und still, weiße Dummys. Apropos dumm: Auch die KI hat Potential für Verbesserungen. Insbesondere Veteranen des Spiels dürften sich in der Karriere zu leicht tun.
Fazit: "Forza Motorsport 4" ist ein großartiges Spiel. Punkt. Viele Neuerungen wie die "Top Gear"-Herausforderungen und die Kinect-Unterstützung dürften alteingesessene Fans aber kalt lassen und sind wohl eher als zusätzlicher Kaufanreiz für Einsteiger zu verstehen, die der realistischen Simulation sonst vielleicht nicht ganz so viel hätten abgewinnen können. Doch ob Casual- oder Core-Gamer: In erster Linie dreht sich "Forza Motorsport 4" um die Liebe zum Auto und den Spaß am Fahren – und genau dem wird der Titel auch mehr als gerecht. Wenn dann noch der Umfang – sowohl on- als auch offline – und die Präsentation stimmen, lässt sich über kleinere Schwächen wie das fehlende dynamische Wetter getrost hinwegsehen.
Plattform: Xbox 360
Publisher: Microsoft
krone.at-Wertung: 9/10
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