Ehre für Ökonomen

Nobelpreis für Wirtschaft geht an zwei US-Forscher

Ausland
10.10.2011 13:19
Der Wirtschaftsnobelpreis geht heuer an zwei US-Forscher: Christopher A. Sims (li.) und Thomas J. Sargent (re.) werden für Methoden ausgezeichnet, die Zusammenhänge zwischen Wirtschaftspolitik und volkswirtschaftlichen Rahmendaten wie Inflation, Beschäftigung und Bruttoinlandsprodukt untersuchen. Das gab die Schwedische Wissenschaftsakademie am Montag bekannt. Der Preis ist mit umgerechnet rund 1,1 Millionen Euro dotiert.

Ein Sprecher des Nobelkomitees sagte, die beiden Wissenschaftler hätten Methoden entwickelt, um die praktischen Auswirkungen wirtschaftspolitischer Entscheidungen zu überprüfen. Als Beispiel nannte er Nationalbanken, die aufgrund der Arbeitsergebnisse von Sims und Sargent bessere Prognosen erstellen könnten. Das Komitee begründete seine Entscheidung zudem damit, dass Sims (67) und Sargent (68) bahnbrechende Ergebnisse bei ihrer empirischen Forschung "zu Ursache und Wirkung in der Makroökonomie" erzielt hätten.

Der 1942 geborene Sims unterrichtet an der Princeton-Universität in New Jersey, Sargent ist ein Jahr jünger und arbeitet an der New York University. Sims sagte am Montag am Telefon, er freue sich sehr und sei überrascht von der Mitteilung über den Stockholmer Preis. Auf die Frage, wie er seine Hälfte der Dotierung angesichts der derzeitigen Krise auf den Finanzmärkten zu investieren gedenke, sagte er: "Ich werde es wohl eine Weile in Cash behalten und dabei über die Verwendung nachdenken."

Aiginger über Vergabe enttäuscht
Der Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts, Karl Aiginger, geht mit der Preisvergabe an die beiden US-Makroökonomen hart ins Gericht. "Ich bin schwer enttäuscht", meinte er in einer ersten Reaktion. Die beiden Wissenschaftler seien zwar sehr berühmte und erstklassige Forscher, aber der Preis käme zur falschen Zeit. Die Verleihung beziehe sich auf Forschungsergebnisse, die bereits vor 30 Jahren gelehrt und der jetzigen Wirtschaftsentwicklung widersprechen würden.

Der Finanzsektor, der zurzeit die Märkte weltweit in Atem hält, komme nicht vor. Die US-Amerikaner hätten politische Einflussnahme auf die Geld- und Fiskalpolitik in rationalen Märkten als unbedeutend gesehen - doch die Krise habe gezeigt, wie wichtig der regulierende Eingriff des Staates ist, so Aiginger. "Die Forscher haben in der Vergangenheit wertvolle Beträge geliefert, die aber nicht mehr die jetzige Wirklichkeit widerspiegeln", betonte der Wifo-Chef.

Kein Nobelpreis im klassischen Sinn
Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaft gehört nicht zu den klassischen Nobelpreisen. Er wurde erst 1968 von der schwedischen Notenbank zur Erinnerung an Alfred Nobel gestiftet und 1969 erstmals vergeben. Ursprünglich hatte der schwedische Forscher und Großindustrielle Nobel (1833 - 1896) lediglich Preise in den Bereichen Physik, Chemie, Medizin, Literatur und Frieden vorgesehen.

Der auch wegen der nachträglichen Stiftung umstrittene Wirtschaftspreis wird von der Nobel-Stiftung offiziell nicht als Nobelpreis eingestuft, sondern stets als "Preis der Reichsbank Schwedens für die ökonomische Wissenschaft zum Andenken an Alfred Nobel" von den traditionellen Nobelpreisen abgesetzt.

Kritik an Dominanz von US-Preisträgern
Der Wirtschaftspreis ging bisher überwiegend an Wissenschaftler aus den USA. Durch die diesjährige Vergabe hat sich die gewaltige und immer wieder kritisierte Dominanz von Preisträgern aus den Vereinigten Staaten weiter verstärkt: Von 69 Preisträgern haben 54 ihre Forschungsarbeit an US-Instituten betrieben.

Die diesjährigen Preisträger erhalten ihre Auszeichnungen am 10. Dezember, dem Todestag Nobels, zusammen mit den anderen Nobelpreisträgern aus der Hand des schwedischen Königs Carl XVI. Gustaf in Stockholm. Nur der Friedensnobelpreis wird traditionell in Oslo überreicht.

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