Spontan gestreikt

F: Bahnchaos nach Messerattacke auf Schaffner

Ausland
07.10.2011 17:10
Eine brutale Messerattacke gegen einen Zugbegleiter hat in Frankreich zu einem Zusammenbruch des Schienenverkehrs geführt. Aus Protest gegen die Tat verweigerten zahlreiche Bahnmitarbeiter spontan die Arbeit. Am Freitag rollte bis zum Nachmittag nur ein Bruchteil der Züge. Auf den Regionalstrecken fuhr im Schnitt nur jeder vierte Zug, im Fernverkehr war es jeder dritte. Erst am Nachmittag begann sich die Situation langsam zu bessern.

Zu dem Angriff auf den Zugbegleiter war es am Donnerstag auf der Strecke von Lyon nach Straßburg gekommen. Der 54-Jährige wurde von einem offensichtlich psychisch kranken Passagier mit acht Messerstichen lebensgefährlich verletzt, als er diesen wegen Schwarzfahrens verwarnen wollte. Der 27 Jahre alte Täter wurde festgenommen. Er gibt nach Angaben der Staatsanwaltschaft an, Alkoholprobleme zu haben und sich an nichts erinnern zu können.

Protest gegen steigende Gewalt
Gewerkschaftsvertreter hatten bereits kurz nach der Tat dazu aufgerufen, aus Solidarität mit dem niedergestochenen Fahrkartenkontrolleur die Arbeit niederzulegen. Gleichzeitig wollen sie mit der Aktion gegen die ihrer Ansicht nach steigende Gewalt gegen Bahnmitarbeiter protestieren. Offiziell machten sie von ihrem Recht Gebrauch, bei Gefahr für das Leben und die Gesundheit nicht weiterzuarbeiten.

Die SNCF musste daraufhin am Donnerstagabend sämtliche Nachtzüge streichen. Das Innenministerium richtete ein Krisenzentrum ein, um Tausende festsitzende Reisende zu unterstützen. Einige wurden in abgestellten Schlafwaggons untergebracht.

"Es bringt nichts, die Fahrgäste zu bestrafen"
SNCF-Chef Guillaume Pepy rief die Beschäftigten auf, an ihre Arbeitsplätze zurückzukehren. "Die Erregung ist groß, aber es bringt nichts, die Fahrgäste zu bestrafen", sagte er im Radio. Der Angriff sei die verrückte Tat eines Geistesgestörten gewesen. So etwas geschehe selten. Auch die Regierung übte Kritik an den für ihre hohe Streikbereitschaft bekannten Bahnmitarbeitern. Verkehrsminister Thierry Mariani bezeichnete die Arbeitsniederlegungen als falsche Antwort auf die Tat eines Verrückten.

Grundsätzlich gelten blutige Attacken gegen Bahnmitarbeiter in Frankreich als selten. Die letzten Fälle, die große Schlagzeilen machten, ereigneten sich 2004 und 1999. Damals waren ebenfalls Schaffner mit einem Messer angegriffen und schwer verletzt worden. Im vergangenen Juli kam es in einem Zug zu einer Geiselnahme. Der mit einem Säbel bewaffnete Täter könnte allerdings nach rund zwei Stunden von der Polizei überwältigt werden.

Gewerkschaften sehen kritische Entwicklung
Die Gewerkschaften sehen dennoch eine kritische Entwicklung. "Wir sagen der Direktion seit Monaten, dass die Zugbegleiter und Bahnhofsmitarbeiter mitunter erhebliche Angstsituationen erleben", sagte ein Arbeitnehmervertreter dem Sender France Info. Gerade im Fall von Verspätungen komme es immer wieder zu Auseinandersetzungen.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Ausland
07.10.2011 17:10
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung