Spontan gestreikt
F: Bahnchaos nach Messerattacke auf Schaffner
Zu dem Angriff auf den Zugbegleiter war es am Donnerstag auf der Strecke von Lyon nach Straßburg gekommen. Der 54-Jährige wurde von einem offensichtlich psychisch kranken Passagier mit acht Messerstichen lebensgefährlich verletzt, als er diesen wegen Schwarzfahrens verwarnen wollte. Der 27 Jahre alte Täter wurde festgenommen. Er gibt nach Angaben der Staatsanwaltschaft an, Alkoholprobleme zu haben und sich an nichts erinnern zu können.
Protest gegen steigende Gewalt
Gewerkschaftsvertreter hatten bereits kurz nach der Tat dazu aufgerufen, aus Solidarität mit dem niedergestochenen Fahrkartenkontrolleur die Arbeit niederzulegen. Gleichzeitig wollen sie mit der Aktion gegen die ihrer Ansicht nach steigende Gewalt gegen Bahnmitarbeiter protestieren. Offiziell machten sie von ihrem Recht Gebrauch, bei Gefahr für das Leben und die Gesundheit nicht weiterzuarbeiten.
Die SNCF musste daraufhin am Donnerstagabend sämtliche Nachtzüge streichen. Das Innenministerium richtete ein Krisenzentrum ein, um Tausende festsitzende Reisende zu unterstützen. Einige wurden in abgestellten Schlafwaggons untergebracht.
"Es bringt nichts, die Fahrgäste zu bestrafen"
SNCF-Chef Guillaume Pepy rief die Beschäftigten auf, an ihre Arbeitsplätze zurückzukehren. "Die Erregung ist groß, aber es bringt nichts, die Fahrgäste zu bestrafen", sagte er im Radio. Der Angriff sei die verrückte Tat eines Geistesgestörten gewesen. So etwas geschehe selten. Auch die Regierung übte Kritik an den für ihre hohe Streikbereitschaft bekannten Bahnmitarbeitern. Verkehrsminister Thierry Mariani bezeichnete die Arbeitsniederlegungen als falsche Antwort auf die Tat eines Verrückten.
Grundsätzlich gelten blutige Attacken gegen Bahnmitarbeiter in Frankreich als selten. Die letzten Fälle, die große Schlagzeilen machten, ereigneten sich 2004 und 1999. Damals waren ebenfalls Schaffner mit einem Messer angegriffen und schwer verletzt worden. Im vergangenen Juli kam es in einem Zug zu einer Geiselnahme. Der mit einem Säbel bewaffnete Täter könnte allerdings nach rund zwei Stunden von der Polizei überwältigt werden.
Gewerkschaften sehen kritische Entwicklung
Die Gewerkschaften sehen dennoch eine kritische Entwicklung. "Wir sagen der Direktion seit Monaten, dass die Zugbegleiter und Bahnhofsmitarbeiter mitunter erhebliche Angstsituationen erleben", sagte ein Arbeitnehmervertreter dem Sender France Info. Gerade im Fall von Verspätungen komme es immer wieder zu Auseinandersetzungen.
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