Schwere Vorwürfe

Knox-Vater: “Polizei hat Amanda bei Verhör geschlagen”

Ausland
06.10.2011 11:52
Nach dem spektakulären Freispruch der US-Studentin Amanda Knox vom Vorwurf des Mordes an der britischen Austauschstudentin Meredith Kercher hat ihr Vater jetzt schwere Vorwürfe gegen die Exekutive in Italien erhoben. Seine Tochter sei während des Verhörs misshandelt worden. "Die Polizei hatte einen enormen Druck auf sich lasten, man wollte um jeden Preis einen Schuldigen finden. Und Amanda war die richtige Person für ihre Theorie", so Knox.

"Amanda ist noch nie so verängstigt gewesen wie während des Verhörs durch die italienische Polizei", sagte Kurt Knox laut italienischen Medien. Sie sei geschlagen worden. Die Polizei hätte sie terrorisieren wollen. 

Sorgen macht sich Kurt Knox auch über die Finanzen der Familie. Der Prozess habe Millionen von Dollar gekostet. "Uns droht der Verlust unseres Hauses", meinte das Familienoberhaupt. Doch wichtig sei jetzt der Freispruch seiner Tochter, die sich nun nach vierjähriger Gefangenschaft erholen müsse. Amanda soll demnächst von einem Psychologen betreut werden.

Millionen Dollars für Knox-Geschichte
Die Prozesskosten dürfte die Familie Knox jedenfalls schnell wieder eingespielt haben. Wie die Tageszeitung "New York Post" berichtet, wird alleine das erste Interview der 24-Jährigen zwischen einer und fünf Millionen US-Dollar einbringen. Darüber hinaus könne Knox für die Buch- und Filmrechte mit einem zweistelligen Millionenbetrag rechnen, so der Strafverteidiger David Wohl gegenüber dem Nachrichtensender Fox News.

Knox' Geschichte habe alle Zutaten, die Hollywood liebe. "Ihre Geschichte ist fesselnd. Sie ist eine junge, attraktive Frau, die in eine Geschichte verstrickt ist, die Sex, Rasse, Mord und internationale Machenschaften beinhaltet", räumt auch der Kommunikationsstrage Jason W. Maloni der 24-Jährigen gute Chancen auf das große Geld ein. Lediglich den Faktor Zeit muss Knox berücksichtigen, "sie müsse das Eisen schmieden, solange es heiß ist", so Wohl.

Schwurgerichts-Präsident: "Es gibt keine Beweise"
Dass die Todesumstände Kerchers vermutlich nie ganz geklärt werden dürften, verleiht der Geschichte ein zusätzliches Spannungselement. "Ich fürchte, dass aus juristischer Sicht die Wahrheit nicht ans Licht kommen wird", äußerte Claudio Pratillo Hellmann, der Präsident des Schwurgerichts der mittelitalienischen Stadt Perugia, das Knox am Montagabend freigesprochen hatte, im Interview mit der Turiner Tageszeitung "La Stampa" am Donnerstag seine Zweifel.

"Amanda und Raffaele (Sollecito) könnten auch für Merediths Tod verantwortlich sein, aber es gibt keine Beweise", so Pratillo Hellmann, der zugleich aber den Verdacht, dass das Schwurgericht vom riesigen medialen Interesse um den Prozess beeinflusst worden sei, erneut zurückwies.

Laienrichter verrät erstmals Gründe für Freispruch
Aber nicht nur die fehlenden Beweise dürften zur Aufhebung des erstinstanzlichen Urteil geführt haben, wie jetzt einer der Laien-Richter erstmals öffentlich zu bedenken gab. Demnach hätte neben den Zweifeln an den DNA-Tests auch das Fehlen eines Motivs für den Mord den Fall der Anklage zu Fall gebracht. 

"Als Vater kann ich den Schmerz der Kerchers fühlen", sagte der 40-jährige Schöffe Fabio Angeletti der britischen Zeitung "The Guardian". Aber es brauche ein überzeugendes Motiv und eindeutige Beweise für eine Verurteilung. "Es gab viele Fehler der forensischen Ermittler, die dem Fall jede Gewissheit genommen haben", so Angeletti.

Der Schöffe lehnte es aber ab, weitere Details zu den Beratungen, die zu dem Freispruch geführt hatten, bekannt zu geben, betonte aber, die Laienrichter hätten sich bei ihrer Entscheidungsfindung auf jeden Fall von den harten Fakten und nicht von den dramatischen Unschuldsbeteuerungen Knox' leiten lassen.

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