Am Karfreitag und -samstag können die Oberalmer den ehrenamtlichen Kirchenmitarbeiter Erich Pollhammer mit seinem Instrument hören. Der 58-Jährige übt den beliebten alpenländischen Brauch des Ratschens bereits seit rund dreißig Jahren aus.
„Wir ratschen, wir ratschen das Leiden und Sterben unseres Herrn Jesus Christus“, sagt Erich Pollhammer andächtig vor sich hin und dreht dabei an der 80 Jahre alten Ratsche. Schon frühmorgens macht sich der 58-Jährige auf, um den Brauch am Karfreitag und -samstag auszuüben. Dazu steigt er um sechs Uhr morgens und um zwölf Uhr mittags auf den Oberalmer Kirchturm.
„Ich mache das seit rund 30 Jahren. Das Ratschen gehört in Oberalm einfach dazu“, sagt Pollhammer. Die Ratsche, dessen Holzleisten durch Kurbeln in Bewegung gesetzt werden, ersetzt traditionell die Kirchenglocken an den beiden Tagen vor Ostern. „Weil die Glocken ’fliegen’ ja am Gründonnerstagabend nach Rom. Das Ratschen soll die Leute dann ans Gebet erinnern“, erklärt der Oberalmer. Bis die Glocken am Samstagabend, pünktlich zur Auferstehungsfeier Jesu, „zurückfliegen“, dreht Pollhammer an der rund eineinhalb meterlangen Truhen-Ratsche aus Holz.
2015 ernannte die UNESCO den Brauch des Ratschens als immaterielles Kulturerbe. Neben der größeren Truhen-Ratsche gibt es auch noch kleinere Varianten wie Handratschen oder Klapperratschen. Obwohl durch den Lärm der Straßen die Ratsche mittlerweile nicht mehr im ganzen Ort zu hören ist, freuen sich die Oberalmer Jahr für Jahr über das knatternde Geräusch der Osterratschen.
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