Fr, 17. August 2018

Hass der Rechten

08.09.2011 12:49

Attentats-Serie gegen Filmemacher Michael Moore

In seiner Oscar-Rede 2003 verurteilte der Regisseur und Autor Michael Moore US-Präsident George Bush und die Invasion im Irak. Über Nacht wurde er damit zum meistgehassten Mann der USA. In seinem neuen Buch "Hier kommt Ärger" erzählt Moore nun über die folgende Jagd auf seine Person, inklusive Messer-Attacken, Bombenplänen sowie tonnenweise Pferdemist vor seinem Haus - und über eine Riege von Ex-Seals, die sein Leben schützten.

"Ich denke über die Ermordung von Michael Moore nach, und ich frage mich, ob ich ihn töten könnte oder ob ich jemanden anheuern könnte, es für mich zu tun. Nein, ich glaube, ich könnte es selbst tun", sprach der berühmt-berüchtigte TV-Moderator Glenn Beck in seiner TV-Show im Mai 2005 laut seine Mordgelüste gegen den Filmemacher aus.

"Wünsche für meinen frühen Tod schienen überall zu sein", sinniert Moore nun in seinem neuen, in den kommenden Tagen auch in Österreich erscheinenden Buch "Hier kommt Ärger" ("Here comes Trouble"). So hielt ihm etwa der CNN-Moderator Bill Hemmer im Juli 2004 während des Parteitags der Demokraten das Mikrofon vor das Gesicht und sagte: "Ich habe Menschen sagen gehört, sie wollen Michael Moore tot sehen." Schockiert war Moore dabei vor allem von der Art, wie es der Moderator vortrug: "Es klang wie eine dem gesamten Publikum bereits bekannte Binsenweisheit."

Moore stellte sich damals die Frage, warum er tatsächlich noch am Leben war. Seit mehr als einem Jahr gab es gegen den Filmemacher Drohungen, Einschüchterungen, Belästigungen und sogar Angriffe am helllichten Tag. "Es war das erste Jahr des Irak-Krieges, und mir wurde von einem Security-Experten gesagt, dass es niemanden außer Präsident Bush gäbe, der in den USA mehr in Gefahr sei als ich."

Tonnenweise Pferdemist waren nur der Beginn
In "Hier kommt Ärger" erinnert sich Moore zurück, wie alles begann. Minutiös erzählt er vom Chaos bei der Oscar-Nacht 2003 nach seiner kriegskritischen, vorzeitig abgebrochenen Dankesrede und wie er danach mit Hass bombardiert wurde. Bei der Rückkehr in sein Haus im US-Bundesstaat Michigan hatte der lokale "Verschönerungs-Ausschuss" drei Lkw-Ladungen Pferdemist in seiner Einfahrt deponiert. Die Bäume seines Grundstücks waren zudem mit einem guten Dutzend Schilder mit Botschaften wie "Hau ab nach Kuba", "Verräter" und "Verschwinde jetzt, oder sonst..." zugenagelt.

Die Polizei hatte alle Hände voll zu tun und schlug schließlich vor, Moore möge doch selbst für seine Sicherheit sorgen. Was dieser auch tat. Seine Familie traf sich mit dem Leiter der besten Security-Agentur des Landes, einer Elite-Einheit, die nicht etwa Ex-Cops oder Türsteher anheuerte, sondern Navy Seals und ehemalige Mitglieder anderer Spezialeinheiten. Ende 2004 hatte Moore aufgrund der alarmierenden Zunahme von Drohungen und versuchten Anschlägen neun Ex-Soldaten rund um die Uhr bei sich.

Liste potenzieller Attentäter umfasste mehr als 400 Personen
Die Leibwächter zogen schließlich ins Haus der Moores ein. "Wenn ich auf einem öffentlichen Bürgersteig ging, mussten sie einen Kreis um mich herum bilden. In der Nacht trugen sie Nachtsicht-Geräte und Ausrüstung, die nur wenige Menschen außerhalb des CIA-Hauptquartiers je gesehen haben", so der Filmemacher. Die Security-Agentur führte auch eine eigene Liste mit Personen, die eine glaubwürdige Bedrohung gegen Moore darstellten.

"Eines Tages wollte ich die Datei sehen und der Verantwortliche begann, die Liste der Namen und den Drohungen, die sie gemacht hatten, vorzulesen. Nach einem guten Dutzend hörte er auf und fragte, ob er wirklich noch weitermachen solle, es gäbe noch 429 weitere."

Von Messer-, Kaffee- und Bleistiftattacken
Moore erinnert sich in "Hier kommt Ärger" an weitere beängstigende Vorfälle. So sprang in Nashville ein Mann mit einem Messer auf die Bühne und kam auf Moore zu. Die Navy-Seals packten ihn von hinten an Gürtelschlaufe und Kragen und schleuderten ihn auf den Zement-Boden vor der Bühne. "Jemand musste sein Blut wegwischen, nachdem die Ex-Soldaten mit ihm fertig waren", schildert der Filmemacher die bangen Sekunden.

In Fort Lauderdale versuchte ein Mann im Anzug Moore seinen heißen Kaffee ins Gesicht zu schütten. Einer der Sicherheitsleute sprang dazwischen und wurde dermaßen stark verbrüht, dass er ins Krankenhaus musste – doch zunächst bohrte der Security noch seine Knie schmerzlich in den Rücken des Mannes und legte ihm Handschellen an.

Während einer Pressekonferenz anlässlich des Kinosstarts von "Fahrenheit 9/11" zückte dann ein Mann einen Bleistift, um Moore damit zu attackieren. Auch hier sprang einer der Sicherheitskräfte dazwischen und der spitze Bleistift bohrte sich in die Hand des Ex-Navy-Seal. "Haben Sie jemals einen Navy-Seal gesehen, der mit einem Bleistift gestochen wurde?", fragt Moore. "Er hat den gleichen Gesichtsausdruck wie anderen Menschen, wenn ihnen das Shampoo ausgeht."

Moore als Ziel Nummer eins auf Todesliste
Und dann gab es Lee James Headley. Lee hatte "große Pläne", schreibt Moore. Er führte eine Liste mit Menschen, die verschwinden mussten. An der Spitze der Liste war sein Ziel Nummer eins: Michael Moore. Headley sammelte im Frühjahr 2004 eine riesige Menge von Angriffswaffen, Tausende Schuss Munition und verschiedene Bomben-Materialien. Seine Notizbücher enthielten Diagramme von Raketenwerfern und Bomben. Aber eines Nachts feuerte er versehentlich in seinem eigenen Haus eine Runde aus seiner AK-47. Ein Nachbar hörte die Schüsse und rief die Polizei, die dann die "Schatzkammer" an Waffen und Munition aushob und Headleys Todesliste entdeckte.

"Für mich war das der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Ich brach. Meine Frau war schon in ihrem eigenen Zustand der Verzweiflung über den Verlust des Lebens, das wir geführt hatten. Ich fragte mich, womit ich das verdient habe", gibt der Regisseur tiefe Einblicke in die schlimmste Zeit seines Lebens.

Moore übt Selbstverteidigung, aber die Leibwächter bleiben
Moore verließ nach diesen Vorfällen kaum noch das Haus, von Jänner 2005 bis Mai 2007 trat er so gut wie nie öffentlich auf - bis ihn ausgerechnet Präsident Bush mit einer Rede über Terrorismus aus seinem selbst gewählten Exil zurückholen sollte. Aus Wut über die Aussagen schöpfte er Kraft für neue Projekte. Heute arbeitet und lebt Moore wieder wie gewohnt. Mit einem Unterschied: Er trainiert täglich eine halbe Stunde, um gegen mögliche Angreifer gewappnet zu sein. Aber die Ex-Navy-Seals bewachen ihn immer noch. Sicher ist sicher.

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