Wr. Neustadt: Festival

Jung! Mutig! Feurig! Witzig!

Kultur
04.03.2023 10:59

„Gedankenfreiheit“ lautet das Motto des Theaterfestivals „Europa in Szene“, das zurzeit in den Wr. Neustädter Kasematten über die Bühne geht - wir baten Leiterin Anna Maria Krassnigg zum Gespräch über Dorfplätze, Kindheitserinnerungen und dissidentische Autoren!

„Krone“: Sie bespielen seit 2022 die Kasematten und locken gerade wieder neugieriges Festival-Publikum nach Wiener Neustadt.
Anna Maria Krassnigg: Ich bin davon überzeugt, dass großes Theater jeden bewegen und interessieren kann, und mit groß meine ich einfach tolle Stücke. In dem Moment, wo man dem Publikum auf Augenhöhe begegnen will, kann man sich durchaus was trauen. Deswegen ist bei uns das Geschichtenerzählen auf hohem Niveau Programm und der Austausch mit dem Publikum. Das Tolle an unseren Räumlichkeiten mit Bar, Salon etc. ist, dass man sich mit den Künstlern automatisch trifft. Hier gibt es keinen „Eisernen Vorhang“. Die Leute tauschen sich aus. Das wird stark angenommen.

Solch ein Konzept vermisst man in der „Groß-Theaterstadt“ Wien.
Ich finde auch. (lacht) Aber ich brauche das wie einen Bissen Brot, diesen Austausch, diese Lebendigkeit, diese Art Dorfplatz, den wir hier haben. In meiner Kindheitserinnerung war das schon z. B. bei den Festwochen noch so. Das erlebe ich derzeit nicht mehr so stark. Diese Sehnsucht danach hat mich in diese Theater-Agora getrieben: die Kasematten mit ihrer imperialen Größe, eine alte Festung, ein elegantes Universum. Und hier ist auch eine andere Freiheit der Begegnung möglich.

Ein Ort, der aufgelegt ist für Schillers „Don Karlos“!
Ganz genau. Man muss die Stoffe zum Raum suchen, denn der ist ein ganz starker Partner. In diese Renaissancegemäuer passt ein Stück wie Don Karlos, wo sich ein König verbunkert und gegen den Rest von Europa rüstet, irrsinnig gut von der Atmosphäre her. Ich bin übrigens auch der tiefen Überzeugung, dass eine gute Story nicht umzubringen ist. Was der Regisseur aber verstehen muss, ist: Was ist das für eine Story, und wie geht sie uns was an? Don Karlos ist ein Psychokrimi, eine tolle Gesellschaftsbeobachtung. Wenn ich heute Don Karlos sehe und der Regisseur es nicht schafft, dass ich an Putin denke, weil es einfach ein diktatoriales Gefüge ist, dann habe ich verloren.

Was erwartet die Zuseher?
Der zeitgenössische Zugriff des jungen, 24-jährigen wilden Regisseurs Dávid Paška. Eine mutige, feurige, witzige Inszenierung.

Witzig?
Ja, Schiller hat Humor, aber das wird in diesen erdenschweren Fassungen oft niedergeschlagen.

Das Festival startete mit dem Václav-Havel-Stück „Audienz“.
Ja, und es dreht sich auch um Gedankenfreiheit! Wie erobere ich mir meine Freiheit zu denken, sprechen, träumen zurück. Sei es in einer Diktatur, wie bei Don Karlos, im Iran oder auch in einer Demokratie wo ich immer subtiler kontrolliert werde, auch durchaus freiwillig. in einer Demokratie wo ich immer subtiler kontrolliert werde, auch durchaus freiwillig. Da ist man dann schnell bei Havel, der als ein dissidentischer Autor in einer Diktatur vor dem Prager Frühling hinreißende Stücke geschrieben hat.

Beschreiben Sie mir, was Theater für Sie ist.
Eine irrsinnig gute Verführung, und ich empfehle jedem, sich auf dieses Spiel, dieses „Wie wäre es denn, wenn“ einzulassen.

Das Festival „Europa in Szene“ findet bis 2. April in den Wiener Neustädter Kasematten statt,  Infos und Karten: wortwiege.at

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