Kages-Chef sicher:

„Kurzfristig wird sich die Situation nicht ändern“

Steiermark
16.12.2022 06:30

Spitäler-Chef Gerhard Stark erklärt im „Krone“-Interview, wie die Kages die besorgniserregende Lage in den steirischen Spitälern wieder in den Griff bekommen will.

„Krone“: Herr Professor, mit der Internen Abteilung und der Kinderklinik sind allein am Universitätsklinikum in Graz zwei wichtige Häuser heillos überfüllt. Wurde man von der aktuellen Infektionswelle überrascht?

Gerhard Stark: Nein, die Influenzawelle kommt heuer zwar zwei bis drei Wochen früher, aber wir haben ja schon in Australien gesehen, was uns erwartet. Und ja, wir haben eine ordentliche Influenzawelle, plus Corona und dann natürlich auch noch die enorme Wucht durch die RS-Viren bei Kindern.

Wenn man das Unheil also quasi schon kommen sah, hat man sich darauf nicht vorbereitet?

Schauen Sie, die Personalsituation ist wie sie ist, die können wir kurzfristig nicht ändern. Wir haben aber natürlich Maßnahmen ergriffen. Das reicht von Prozess-Optimierungen bis zu Attraktivierungsmaßnahmen für das Personal - Mehrleistung und Flexibilität können nun entsprechend honoriert werden.

Aktuell sind ja vor allem die Häuser im Großraum Graz überlastet, wie lässt sich das ändern?

Wir haben dafür bereits eine tägliche Kapazitätsmeldung auf der Inneren Medizin eingeführt, um eben zu schauen, wo es noch freie Betten gibt. Unsere höchste Ressource ist aber natürlich das Intensivbett, und dafür haben wir auch eine zentrale Intensivkoordination eingeführt. Für eine bessere Steuerung der Patientenströme brauchen wir aber auch die Mithilfe der Bevölkerung.

Wie meinen Sie das genau?

Ich war am Mittwoch selbst auf Visite, um mir ein Bild der Situation zu machen. Und auch da haben wir wieder einige Patienten gehabt, die sich mit der Rettung nicht ins nächstgelegene Krankenhaus bringen lassen, sondern unbedingt ins Klinikum nach Graz wollen - sie unterschreiben dafür sogar einen Revers und zahlen freiwillig den Differenzbetrag für den Transport. Das raubt uns in Graz natürlich die Kapazitäten. Deshalb meine große Bitte an die Bevölkerung, das nächstgelegene Krankenhaus aufzusuchen.

Hätte die Grippewelle durch die Influenza-Impfung abgefedert werden können?

Ja. Wir haben gesehen, dass sich die Influenza-Impfung durch eine hohe Effektivität gegen die aktuelle Variante bewiesen hat. Die Wirkung setzt ab sieben bis zehn Tage nach der Impfung ein - es macht also nach wie vor Sinn, sich den Impfschutz abzuholen.

Ist schon ein Ende der Infektionswelle in Sicht?

Durch die Maßnahmen rund um Corona agiert unser Immunsystem etwas naiv, was Virenerkrankungen betrifft. Aber unser Immunsystem lernt sehr schnell. Ich rechne dennoch damit, dass die Situation über die Feiertage bis in den Jänner hinein anhalten wird. Da müssen wir jetzt leider alle durch.

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