Die Pandemie-Jahre und der Mangel an Kinderpsychiatern sind eine toxische Mischung: Es treten vermehrt Störungen auf und es gibt doppelt so viele Suizidversuche. Eine junge Gymnasiastin aus Gmunden in Oberösterreich steht mit ihren Problemen für viele Gleichaltrige.
„Jugendliche sehen keinen anderen Ausweg mehr, die Hürden sind zu groß, die Last zu schwer und der Wille weiterzumachen, zu klein – ich weiß, wie sich das anfühlt“, die 16-jährige Anna Marie aus Gmunden bewies am Montag unheimlich viel Mut. Die Gymnasiastin leidet selbst unter Depressionen, einer posttraumatischen Belastungsstörung, Angst- und Essstörungen.
Bei einer Pressekonferenz der Kinderfreunde in Linz zu den hohen psychischen Belastungen für Kinder und Jugendliche und dem zu geringen therapeutischen Angebot sagte Anna Marie als Betroffene zum Thema mentale Gesundheit Jugendlicher in Krisenzeiten: „Ich werde auf meine Jugend zurückblicken und ein Großteil meiner Erinnerung wird aus dieser furchtbaren Zeit bestehen.“
Risiko für Störung stieg stark
Schon vor der Pandemie hatte ein Drittel aller zehn- bis 17-jährigen Mädchen ein erhöhtes Risiko, an einer Essstörung zu erkranken. Nun kam es zu einem deutlichen Anstieg. Auch bei den Suiziden hat sich die Anzahl der Versuche verdoppelt.
Wo sind die Kinderpsychiater?
Doris Koubek, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Linz sagt: „Es fehlt an fast allen kinder- und jugendpsychiatrischen Fachabteilungen an Betten und Fachärzten. Das führt dazu, dass es bei einigen Patienten zu einer deutlichen Verschlechterung kommt. Schlicht, weil es keine Möglichkeit gibt, sie entsprechend zu behandeln.“
Arme Kinder trifft es am meisten
Besonders betroffen sind Kinder aus armen Familien, bei denen Elternteile psychisch erkrankt sind, die in der Schule durchrasseln und/oder gemobbt werden. Koubek: „Man weiß, dass solche Jungen oft chronisch kranke Erwachsene werden. Doch die Politik schaut weg, statt zu helfen.“
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