Mit der Ecoplus leistet sich das Land seit nun 60 Jahren eine eigene Wirtschaftsagentur. Ein Blick auf die vielen Meilensteine der vergangenen Jahrzehnte beweist: Man kann auf eine wahre Erfolgsgeschichte zurückblicken. Doch es war für die heimischen Unternehmen schon einmal leichter. Eine Zwischenbilanz in schwierigen Zeiten.
Erst die Pandemie, dann der Krieg und jetzt die horrenden Kosten für Strom und Gas. Die Zeiten waren schon einmal leichter – und bei der Ecoplus hätte man sich zum „60-Jährigen“ gerne mehr auf die positiven Seiten konzentriert.
Denn es gäbe genug zu feiern. Die Ansiedelung des Pharmakonzerns Boehringer im Ecoplus-Wirtschaftspark in Bruck an der Leitha mit einem Investitionsvolumen von 1,2 Milliarden Euro und 800 neuen Job vor Ort zum Beispiel. Oder den Aufschwung der Erlebnisarena St. Corona am Wechsel zur Ganzjahresdestination für Familien. Oder das neue Haus der Digitalisierung, das in Tulln seiner Fertigstellung entgegensieht.
Täglich neue Herausforderungen
„Am Puls der Zeit" sieht auch der langjährige Geschäfstführer Helmut Miernicki „seine“ Ecoplus. Er betont aber die Erfolgsgeschichte: „Auch wenn sie natürlich täglich mit neuen Herausforderungen verbunden ist.“
Für Wirtschaftslandesrat Jochen Danninger, zuvor selbst an der Spitze der Agentur, steht die Ecoplus auf drei Säulen: Innovation, Kooperation und auch Verlässlichkeit. Die „Krone“ fragte nach, wie er die aktuelle Lage einschätzt.
„Krone“: Herr Danninger, 60 Jahre Aufschwung, war es das jetzt?
Danninger: Die Wirtschaft hat sich den letzten 60 Jahren in Niederösterreich sehr dynamisch entwickelt. Es gab immer wieder Krisen und Herausforderungen, die es zu bewältigen gab. Aus all diesen Krisen ging Niederösterreich aber gestärkt hervor und so wird es auch jetzt sein. Denn die Stärke des Standortes Niederösterreich ist seine Vielfalt. Wir sind breit aufgestellt und das hilft uns die aktuellen Herausforderung zu bewältigen.
Sie versprechen der heimischen Wirtschaft ein Licht am Ende des Tunnels. Reichen solche Durchhalteparolen?
Wie zum Beginn der Pandemie ist jetzt die Unsicherheit der Wirtschaft groß. Viele fragen sich, wie es mit den Energiepreisen weitergehen wird. Das sture Festhalten der EU an der Bindung des Strom- an den Gaspreis hat dazu geführt, dass viele Betriebe ihre Produkte aktuell nicht zu konkurrenzfähigen Preisen verkaufen können, weil sie sie mit deutlich höheren Energiepreisen produzieren müssen als beispielsweise in den USA, Indien oder China. Diese Firmen brauchen keine Durchhalteparolen, sondern die Gewissheit, dass die Energiepreise in absehbarer Zeit wieder auf ein erträgliches Niveau sinken, wo man als Wirtschaftsstandort Europa wettbewerbsfähig ist. Durch die Flüssiggasterminals, die Deutschland gerade errichtet, sollte sich die Situation bessern, aber es braucht noch größere europaweite Anstrengungen. Auch Niederösterreich leistet seinen Beitrag mit einem massiven Ausbau-Programm der erneuerbaren Energien.
Als Unternehmer die gestiegenen Rohstoff- und Energiepreise auf den Kunden abzuwälzen, ist ein zweischneidiges Schwert. Wie kommen wir aus dieser Zwickmühle?
Der größte Teil der Preissteigerungen geht auf die Energiekosten zurück. Wir müssen uns daher unabhängig vom russischen Gas machen, das durch Putins Kriegstreiberei massiv verteuert wurde, dann wird die Inflation auch wieder sinken. Die Maßnahmen des Landes zur Energieunabhängigkeit, wie der massive Ausbau von Windkraft und Photovoltaik, sind dabei ganz wesentlich.
Vor 60 Jahren waren das System, die Konzerne und das politische Gefüge anders. Kann die Politik Ihrer Meinung nach leichter eingreifen - oder ist es schwieriger geworden?
Natürlich haben die Auflagen und Regeln zugenommen, zum Beispiel im Bereich der Umwelt. Aber es ist auch der Wirtschaft wichtig, dass wir in einer intakten Umwelt leben und arbeiten, wo wir am Feierabend nicht im Smog ersticken. Deswegen siedeln sich internationale Firmen bei uns an, weil Niederösterreich gleichermaßen ein attraktiver Wirtschaft- und Lebensraum ist. Es ist daher wichtig, dass sich die Politik darauf beschränkt, bestmögliche Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Betriebe in Niederösterreich wachsen, Arbeitsplätze und Wohlstand schaffen können.
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.