Geheimdienst alarmiert

China rekrutiert ehemalige britische Kampfpiloten

Ausland
19.10.2022 10:06

Während die britische Armee bereits seit geraumer Zeit ukrainische Kameraden für den Kampf gegen Russland trainiert, sorgt militärische Hilfe am anderen Ende der Welt für politischen Wirbel in London. Medienberichten zufolge dürften bereits mehrere Dutzend ehemalige britische Kampfpiloten von der chinesischen Regierung angeheuert worden sein, um ihr militärtaktisches und technisches Know-how weiterzugeben. Der Militärgeheimdienst des Landes ist alarmiert.

Zunächst hatte der „Guardian“ über „sehr großzügige“ Lockangebote an rund 30 ehemalige Hubschrauber- und Kampfjetpiloten berichtet. Die Veteranen dürften über eine Flugschule in Südafrika mit der chinesischen Regierung in Kontakt getreten sein. Es gibt dem Bericht zufolge freilich noch keine Beweise dafür, dass die ehemaligen Armeeangehörigen militärische Geheimnisse verraten haben.

Erste Kontaktaufnahmen im Jahr 2019
Erstmals seien chinesische Headhunter im Jahr 2019 aktiv geworden. Nach dem Ende der strengen Covid-19-Maßnahmen sollen sich die Bestrebungen intensiviert haben. Chinas Präsident Xi Jinping will seine Volksbefreiungsarmee bis 2049 in eine weltweit führende Streitkraft transformieren. Dazu gehört offenbar auch die Angleichung an NATO-Kommandostrukturen und an Taktiken des Verteidigungsbündnisses. Dem Vernehmen nach soll China nicht nur an britischen, sondern auch an anderen westlichen Veteranen interessiert sein.

Allerdings dürften britische Staatsbürger wegen einer lockereren Gesetzeslage bezüglich solcher Ausbildnertätigkeiten im Ausland vorwiegend im Fokus stehen. Die Regierung in London will aber nach „Warnungen“ des Militärgeheimdienstes die „Risiken minimieren“, wie es hieß. Ein neues Gesetz soll nicht nur die Verschwiegenheitsverpflichtungen dienender und ausgeschiedener Soldaten anpassen, sondern auch neue Sanktionsmechanismen für Zuwiderhandelnde vorsehen. Der konservative Parlamentsabgeordnete und frühere Soldat Tobias Ellwood forderte gar die Aberkennung der britischen Staatsbürgerschaft von Veteranen, die in China als Trainer auftreten.

Kampf gegen Taiwan und den Westen
Das Rekrutierungsprogramm Pekings ist vor allem auch vor dem Hintergrund der Taiwan-Frage von geopolitischer Brisanz. Xi hatte am Sonntag in seiner Eröffnungsrede beim Parteitag der Kommunistischen Partei gesagt, China werde sich in der Taiwan-Frage „niemals dazu verpflichten, auf die Anwendung von Gewalt zu verzichten“. Er verurteilte zudem eine angebliche Einmischung des Auslands in Taiwan. China führe einen „wichtigen Kampf gegen Separatismus und Einmischung“.

Peking sieht Taiwan als abtrünnige Provinz, die wieder mit dem Festland vereinigt werden soll - notfalls mit militärischer Gewalt. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat Befürchtungen aufkommen lassen, Peking könnte im Umgang mit Taiwan auf ein ähnliches Vorgehen setzen. Die USA haben bereits mehrmals betont, dass sie im Angriffsfall Taiwan beistehen würden. Auf diese Unterstützung will die Volksbefreiungsarmee vorbereitet sein - auch mit ausländischer Hilfe.

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