Krise am Energiemarkt

Nächster Heiz-Schock: Pellet-Preis explodiert

Vorarlberg
12.10.2022 08:25
Porträt von Vorarlberg-Krone
Von Vorarlberg-Krone

Der Preis für Pellets hat sich verdreifacht. Sind Pellets überhaupt noch eine Alternative zu Öl und Gas? Ja, sagt Bernd Hagen von Ländle Pellets. Nein, der Peter Aberer, Fachgruppenobmann Energiehandel der Wirtschaftskammer Vorarlberg. 

Der Preis für Holzpellets ist in den vergangenen Monaten förmlich explodiert. Für den Endverbraucher kostet eine Tonne der kleinen Presslinge im Handel derzeit zwischen 750 und 850 Euro. Im vergangenen Winter musste man für dieselbe Menge nur 230 bis 250 Euro berappen. Für die rund 4,5 Tonnen, die ein durchschnittliches Einfamilienhaus pro Jahr braucht, sind damit im Schnitt nicht mehr nur rund 1100 Euro, sondern 3200 Euro fällig. Ein Unterschied, der sich in den Geldbörsen der Kunden deutlich bemerkbar macht.

Für Peter Aberer, Fachgruppenobmann Energiehandel in der Wirtschaftskammer Vorarlberg ist klar: „Pellets haben keinen Vorteil gegenüber fossilen Energieträgern mehr.“ Auch das Argument, dass der Energieträger nachhaltig und regional sei, lässt er nicht gelten. „Der Großteil der in Vorarlberg eingesetzten Pellets wird importiert. Ein erheblicher Anteil des Verbrauchs kommt von deutschen Händlern“, sagt Aberer.

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Ich meine, der Plafonds dieses Teilwahnsinns ist erreicht. Warten wir noch vier bis fünf Monate ab, Pellets werden wieder preislich attraktiv werden.

Bernd Hagen, Geschäftsführer Ländle Pellets

Deutlich anders sieht das naturgemäß der Geschäftsführer des einzigen Pelletproduzenten in Vorarlberg, Bernd Hagen von „Ländle-Pellets“: „Ich meine, der Plafonds dieses Teilwahnsinns ist erreicht. Warten wir noch vier bis fünf Monate ab, Pellets werden wieder preislich attraktiv werden.“ Dabei hätte Hagen allen Grund zur Freude, denn die Nachfrage seiner Presslinge - deren Rohstoffe übrigens zu 90 Prozent aus nachhaltig zertifizierten Betrieben aus der Region stammen - ist enorm gestiegen. „Im vergangenen Quartal um 50 Prozent“, berichtet er.

„Klopapiereffekt“: Kunden ordern mehr als nötig
Der Neukundenanteil betrage heuer 13 bis 14 Prozent. Den Grund dafür sieht er in den deutlich höheren Preisen der deutschen Konkurrenz. „Im September waren wir um 100 Euro billiger als die Deutschen“, erklärt der „Ländle Pellets“-Chef. Der deutsche Markt sei nahezu leer gefegt gewesen, Lieferzeiten von bis zu acht Wochen waren an der Tagesordnung. Verunsicherte Kunden bestellten daraufhin bis zu 50 Prozent mehr, als sie für eine Heizperiode brauchen würden. „Auf Dauer gibt das der Markt nicht her“, hofft Hagen daher trotz steigender Umsätze auf eine Normalisierung.

Den Vorwurf der Preistreiberei, dem Produzenten alternativer Energieträger immer wieder ausgesetzt sind, lässt er nicht gelten. Wie überall sei die Erklärung für den Preisanstieg vielschichtig. Wichtigste Faktoren seien der insgesamt gestiegene Bedarf und der Einfluss der Rohstoffpreise. „Mit den Corona-Lockerungen ist die Nachfrage der Bauwirtschaft nach Holz explodiert“, berichtet Hagen. Dementsprechend nahm auch das Angebot an Sägespäne zu, dem Rohstoff für die Pelleterzeugung. Ein Preisverfall folgte.

Sägespäne sind mittlerweile ein knappes Gut
Mit Beginn des Ukraine-Krieges wendete sich das Blatt. Die Schnittholznachfrage brach ein, es fiel weniger Abfall in Form von Spänen an. Das führte zu einer Verknappung und katapultierte die Preise nach oben.

Ein weiterer Grund für die Preisexplosion ist der Wegfall der Pelletlieferungen aus Russland und Weißrussland. Stromerzeuger aus den Benelux-Staaten und Skandinavien fischen seither den europäischen Markt praktisch leer. „Viele kalorische Kraftwerke mischen dort Pellets zur Kohle, um ihre CO2-Bilanz zu verbessern“, erklärt der Produzent. „Bei den heutigen Strompreisen können sie jeden Preis zahlen.“

Langsam etablieren sich laut Hagen aber neue Lieferketten, vor allem aus Nordamerika und der Türkei. „Es besteht wieder Hoffnung“, sagt der „Ländle Pellets“-Chef. Einen weiteren Aufschwung könnte eine Normalisierung des Strommarktes bringen. „Dann erledigt sich der Vorteil der Stromerzeuger“, so Hagen.

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